Spannend im Coaching regelmäßig zu erleben, wie Glaubenssätze unbewusst immer wieder das Verhalten beeinflussen und damit den Erfolg verhindern- oder auch beflügeln. 

Glaubenssätze, oder auch Affirmationen, sind die kleine Stimme in uns, die uns immer wieder sagt, ob wir etwas können/etwas gut ist/ wie man sich verhalten soll, usw. Sie entstehen lange bevor wir aktiv darüber nachdenken, z.B. durch das Vorbild unserer Eltern und durch ihre Erziehung. Oder in der Schule. Sie entstehen auch aus der Gesellschaft und haben häufig einen moralischen Charakter. Dazu gehört so etwas wie „Mädchen können keine Technik“, „Jungs müssen hart sein und dürfen nicht weinen“, „das tut man nicht“, „über Geld spricht man nicht“…diese Aufzählung könnte man an dieser Stelle beliebig weiterführen. 

 

Komm ihnen auf die Schliche

Sie wirken so stark, dass sie das, was wir uns eigentlich wünschen, boykottieren. Und führen z.B. dazu, dass man kein Geld verdient oder zu niedrige Stundensätze fordert, weil einer der Glaubenssätze „Geld ist schmutzig“ oder „sei bescheiden“ wirkt. Oder die große Liebe geht einfach vorbei, weil die kleine Stimme sagt „Sei zurückhaltend, ein Mädchen spricht nicht als Erstes an“. 

Gut zu erkennen sind sie an der ominösen Bezeichnung „man“ und lustigerweise auch häufig an einer anderen Tonlage, in der dieser Satz ausgesprochen wird. Ein Grund, hellhörig zu werden. 

Mein eigener Glaubenssatz, dass ich einfach keine Ahnung von Webdesign habe und sowas sowieso nicht verstehe, hätte beinahe dazu geführt, dass ich mich nicht an mein Projekt Homepage gewagt habe. Aber irgendwann fragte ich mich „Habe ich es eigentlich schon einmal probiert? Woher weiß ich dann, dass ich es nicht kann?“ und hab es einfach mal probiert. Und siehe da -mit Hilfe von Youtube, Foren, der Auseinandersetzung mit WordPress & Co. und einfach mal einen Experten fragen- plötzlich ist die Seite da. War gar nicht so schwer. Und was ist das Ergebnis? Mein Glaubenssatz kam ganz schön in’s Wanken.

Gläubenssätze können somit kleine Biester sein, die unser Vorhaben und unsere Wünsche ziemlich torpedieren, wenn sie unreflektiert schalten und walten. Gleichzeitig können sie aber auch hilfreiche Wegbereiter sein, denn wenn man absolut davon überzeugt ist, dass man es schafft oder etwas kann, dann wird man sein Ziel auch erreichen, ungeachtet etwaiger Hindernisse auf dem Weg 

 

„Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten“ (Henry Ford)

Kosmetik vs. Veränderung

Tja, und was machen wir nun mit dieser Erkenntnis? Das Schöne ist, Glaubenssätze lassen sich verändern. Und wie, möchtest du jetzt wissen? Jetzt leider eine kleine Enttäuschung:

Manchmal liest man, dass man sich 20 x täglich einen bestimmten Satz sagen soll, so etwas wie „Geld verdienen ist super“ oder „ich bin toll“. Das ist die Lösung des Problems.  Probier‘ das einfach mal aus, wenn das dein Thema ist. Fühlt sich das überzeugend an? Wahrscheinlich nicht, denn dein kleiner Kritiker ist ja nicht doof. Der denkst sich „Ja ne, ist klar, das glaubst du doch selbst nicht“. Das macht man vielleicht drei Tage lang und dann gerät es wieder in Vergessenheit. Und es hat sich nichts verändert. 

Hierzu finde ich das Bild eines „umgekippten“ Sees in heißen Sommermonaten ganz passend: Vielleicht hast du so einen See schon einmal gesehen. Durch zu wenig Sauerstoff im See geht das Leben darin ein. Wäre es dann hilfreich, einfach nur schöne frische Seerosen auf die Oberfläche des Sees zu legen anstatt der Ursache auf den Grund zu gehen?

Und genauso ist es auch bei den Glaubenssätzen. Etwas, was in der Tiefe wirkt, kann nicht einfach mit schöner Kosmetik an der Oberfläche behoben werden. 

 

Glaubenssätze aktiv hinterfragen

Also gilt auch hier: In die Tiefe gehen und die Glaubenssätze hinterfragen:

  • Wer ist eigentlich dieser „man“?
  • Ist das immer so?
  • Habe ich Beispiele dafür?
  • Kenne ich Beispiele, wo es auch anders ist?
  • Woher kommt diese Annahme? Von meinen Eltern, aus der Schule, hat die Nachbarin das immer gesagt…?
  • Wie sehe ich das?
  • Wie empfinde ich das?
  • Halte ich das für richtig?

Mach deinen Glaubenssatz zum Verbündeten

Und wenn du die Ursache kennst, dann kannst du loslegen und deinen Glaubenssatz umformulieren, in deine eigenen, für dich passenden Worte. 

So lässt sich z.B. zu dem Glaubenssatz „es ist unmoralisch an dem Leiden anderer zu verdienen“ das Gegenbeispiel finden, dass ein Arzt ja auch die Heilung eines Beinbruchs in Rechnung stellt und das total in Ordnung ist. Also könnte eine Umformulierung dieses Glaubenssatzes sein „Als Dienstleister helfe ich jemandem dabei, sein Problem zu lösen und diese Hilfe ist eine angemessene Bezahlung wert“. Das klingt doch gleich schon motivierender, oder? Und diesen individuellen Glaubenssatz kannst du dann auch beliebig häufig täglich oder abends vor dem Schlafengehen wiederholen. Es ist ja dein eigener, in deinen eigenen Worten. Und damit kann dein Gehirn auch arbeiten, so dass sich plötzlich Türen öffnen, die du vorher nie für möglich gehalten hättest. 

Mir persönlich hat „Das große Buch der Affirmationen“ (Dr. Susanne Marx) sehr geholfen. Hierin findest du auch Ideen für hilfreiche Umformulierungen, die du in deine eigenen Worte bringen kannst. 

Und immer wieder auch Gespräche mit Personen, die Glaubenssätze hinterfragen. Manches lässt sich allein auflösen. Manchmal aber ist es auch hilfreich jemanden von außen dabei zu haben, der dir genau zuhört und die Glaubenssätze immer wieder hinterfragt. Um dann zu erleben, wie schnell sich ein Problem in Luft auflöst und alles klar ist, wenn dieser eine Knoten sich löst. 

Möchtest du auch herausfinden, welcher Glaubenssatz deinem Erfolg möglicherweise im Weg steht? Kommen wir ihm gemeinsam auf die Schliche und machen den Weg für dein Potenzial und deinen Erfolg frei.

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