Abenteuer Mitarbeitergespräch IV: Was tun, wenn es nicht gleich läuft?

    Abenteuer Mitarbeitergespräch IV: Was tun, wenn es nicht gleich läuft?

    Wow…das hat sie jetzt kalt erwischt. Ok, sie hat in dem Gespräch hoch gepokert. Aber das ihr Chef sie jetzt so entsetzt ansieht, damit hat sie nicht gerechnet. Sie merkt, wie ihr das Blut in die Wangen schießt. Ihr wird heiß und kalt. Und sie schämt sich. 

    Ist Bescheidenheit doch die Lösung?

    Hätte sie doch bloß nicht auf ihre Freundin gehört. Sie hätte einfach wieder abgewunken bei der Frage nach mehr Gehalt und sie hätten zusammen gelacht und fröhlich den Raum verlassen. Stattdessen sitzt sie jetzt hier, zusammen gesunken und würde sich am liebsten verkriechen. 

    „Ich weiß ja, dass sie lange keine Gehaltserhöhung bekommen haben“ versucht ihr Chef zu beschwichtigen. „Aber so eine sprunghafte Steigerung kann ich einfach nicht verargumentieren und ich muss ja auch die anderen Kollegen im Blick haben. Sonst wird es ja unfair. Ich kann Ihnen 100 € mehr im Monat anbieten“. 

    Und nun wird Marie heiß. Doch nicht vor Scham, sondern sie kocht vor Wut. Wie bitte, das ist alles, was er ihr anbietet? Das gleicht ja nicht einmal die Inflation der letzten Jahre aus. Bevor sie aber nun etwas unüberlegtes tut und wutschnaubend den Raum und das Gespräch verlässt, erinnert sie sich noch an die Tipps ihrer Freundin, die sie ihr noch mit auf den Weg gegeben hat, für den Fall, dass ihre Wünsche nicht auf Anhieb in Erfüllung gehen: 

    Manchmal hilft ein Perspektivwechsel im Gespräch

    „Es kann sein, dass ihr euch nicht direkt im Gespräch einig werdet. Das kann daran liegen, dass dein Chef natürlich auch noch andere Aspekte im Blick behalten muss. Dazu gehören zum Beispiel die Gehaltsbänder in deinem Bereich, also der Vergleich mit deinen Kollegen. Auch wenn man natürlich nicht Leistung 1 zu 1 vergleichen kann, muss dein Chef doch im Blick haben, dass die Bezahlung für alle fair ist. Und möglicherweise hat auch er Budgetgrenzen, die du selbst einfach gar nicht kennst. Häufig haben die Führungskräfte einen gewissen Spielraum, jedoch immer mit einer Obergrenze. 

    Es kann natürlich auch sein, dass dein Chef deine Leistung gar nicht in dem Maße mitbekommen hat, so dass er die Informationen von dir möglicherweise nach dem Gespräch noch einmal neu sortieren und eine neue Entscheidung treffen muss. Also sind das A & O deiner Gehaltsverhandlung deine Argumente bzgl. deiner Leistung, die du deinem Vorgesetztem nach und nach präsentierst. Und gib ihm auch Zeit, diese zu verdauen und darauf zu reagieren. Also, wenn du merkst, dass das Gespräch in keine zufriedenstellende Richtung geht, dann hast du die folgenden Möglichkeiten: 

    Noch einmal eine Nacht über Alternativen schlafen. Und ist die Kündigung die Lösung?

    • Vertag das Gespräch. Bitte um ein wenig Bedenkzeit – die sich auch dein Chef nehmen wird – und ihr trefft euch einige Tage später zu einem weiteren Termin, um weiter zu verhandeln
    • Überlege dir, wo deine Untergrenze bist. Deine Obergrenze hast du genannt und nicht nicht bekommen. Aber wo ist deine Schmerzgrenze? 
    • Was tust du, wenn das Angebot unterhalb deiner Schmerzgrenze liegt? Mach dir im Vorfeld Gedanken darüber, mit welchen Konsequenzen du leben kannst. Und verkünde im Affekt des Gesprächs keine Konsequenzen, die noch nicht durchdacht sind und mit denen du dich selbst unter Druck setzt. Ein „Dann kündige ich und gehe“ ist schnell ausgesprochen. Möchtest du das dann auch umsetzen? Wenn du merkst, dass du nicht das verdienen wirst, von dem du selbst denkst, dass du es wert bist, dann solltest du die Kündigung als Konsequenz durchaus in Betracht ziehen. Doch rede vorher mit deinem Chef, bevor du kopflos hinwirst. Und eine Kündigung, die einmal ausgesprochen wurde, steht dann im Raum. Im besten Fall interveniert dein Chef und ihr findet eine Lösung. Im schlimmsten Fall wirst du unglaubwürdig, wenn du die ausgesprochene Kündigung nicht durchziehst. So eine Aussage sollte also wohl überdacht und nicht emotional-kopflos herausgebrüllt werden

    Ihre Freundin rutscht auf dem Sofa hin und her und schwengt ihr Glas nachdenklich. Dabei sind ihre Gedanken bei dem Gespräch, das sie selbst erst vor ein paar Tagen führte. Eigentlich wollte ihre Mitarbeiterin gar nicht kündigen, doch im Eifer des Gefechts ist es ihr so rausgerutscht, als sie sich im ersten Moment nicht einig waren. Das war ein hartes Stück Arbeit, diese Kuh wieder vom Eis zu holen. Zum Glück hat es geklappt. Zufrieden greift sie nach einem Stück Schokolade und genießt den sich ausbreitenden Nougat-Geschmack auf der Zunge. 

    „Und es muss ja auch nicht gleich der Worst Case eintreten“, relativiert ihre Freundin. „Dazwischen gibt es ja noch ganz viele Grautöne“. Dabei bewegt sie ihre Hände relativierend auf und ab. Bestimmt findet ihr im gemeinsamen Gespräch einen Kompromiss und Alternativen: 

    Macht das Beste aus deinem Geld

    • „Der Gehaltswunsch ist jetzt zu hoch? Kein Problem, vereinbart doch einfach eine Staffelerhöhung. Jetzt eine bestimmte Summe, in einem halben Jahr noch einmal und am Ende des Jahres. So bekommst du noch nicht direkt die ganze Summe, hast aber das Gefühl, dass etwas passiert. Und eine Perspektive. Und ganz wichtig: Haltet diese Staffelung schriftlich fest
    • Gibt es eine Möglichkeit, einen variablen Gehaltsbestandteil zu ergänzen, z.B. eine Zahlung bei Erreichung eines gemeinsam definierten Ziels? 
    • Eine andere Möglichkeit könnte sein, dass du deine Stunden reduzierst, bei gleichbleibendem Gehalt. Das ist dann eine stille Gehaltserhöhung. Es sollte nur auch zu deinem Arbeitsaufkommen passen. Wenn du hierdurch plötzlich Überstunden machst (die vielleicht mit dem Gehalt anteilig abgegolten sind) und trotzdem noch genauso viel arbeitest, hast du nichts gewonnen. 
    • Du kannst mit deinem Chef auch über eine Entgeltoptimierung sprechen, zum Beispiel in Form eines Dienstrades, einer betrieblichen Altersvorsorge, Zuschüsse für den Kindergarten, Bezuschussung von Sportangeboten, etc. Hierüber hast du die Chance, mehr aus deinem Brutto zu machen. 

    „Gar nicht mal so einfach. Es gibt ja in Bezug auf das Geld doch ziemlich viele Möglichkeiten, mehr zu machen. Aber gibt es auch Alternativen, die nichts mit Geld zu tun haben, wenn das für meinen Chef ein Thema ist“ fragt Marie und zieht ihre Knie mit den Armen näher an sich heran. Ihren Kopf legt sie nachdenklich darauf und schaut ihre Freundin fragend an. 

    Chair, box, think outside the box

    (Photo by Nikita Kachanovsky on Unsplash)

    Verantwortung, Beförderung und Weiterbildung

    • „Natürlich“ Ihre Freundin nickt. Du kannst auch mehr Verantwortung übertragen bekommen. Zum Beispiel in Form neuer Aufgaben oder eines neuen Aufgabenbereichs. Oder natürlich auch Führungsverantwortung. Doch meist geht so eine gesteigerte Verantwortung auch immer mit mehr Gehalt einher. Also sollte hier auch unbedingt vereinbart werden, dass du bald mehr bekommst. Nicht, dass deine Arbeit mehr wird, nicht aber dein Gehalt. 
    • Oder Firmen, insbesondere Kleinere, belohnen über Beförderung mittels eines neuen Titels. Das ist eine Form der Wertschätzung – wenn auch eine günstige, die nichts kostet, außer vielleicht neue Visitenkarten. Da wird man dann schnell Manager oder „Head of“. Und daran ist auch nichts auszusetzen, denn ein neuer Titel hat ja auch nach außen eine Wirkung. Doch pass auf, dass es nicht nur heiße Luft ist, ohne eine Bedeutung. Und – du ahnst es schon – auch hier sollte die Bezahlung auch alsbald nachgezogen werden“

    „Und last, but not least”- ihre Freundin streckt sich. Sie sitzen hier nun schon eine ganze Weile. Doch ein Thema liegt ihr als passionierte Personalentwicklerin besonders am Herzen:“ Gibt es ja au<ch noch Weiterbildungen und Coachings. Und davon habt ihr wieder beide etwas. Schließlich lernst du etwas, was für dich und auch für die Firma interessant sein kann. Und die Firma kann das auch noch steuerlich absetzen“. Ihre Freundin zwinkert. „Meiner Erfahrung nach ist beim Thema Weiterbildung immer noch etwas drin und das ist auch etwas, was ein Vorgesetzter gern unterstützt“. 

    Marie erinnert sich an dieses Gespräch und hält sich diese Tipps noch einmal vor Augen. Doch nun ist sie zu aufgebracht. Das merkt sie. Das Gespräch weiterzuführen, wird wahrscheinlich an dieser Stelle nichts bringen. Also bittet sie um einen Folgetermin und verlässt den Raum. Jetzt braucht sie erst einmal frische Luft. 

    Happy End des Gesprächs- besser als erwartet

    Ein paar Tage später, am Dienstag um 15 Uhr, treffen die beiden sich zu einem erneuten Gespräch. 

    Ihr Chef räuspert sich noch einmal und beginnt das Gespräch: „Zunächst einmal möchte ich noch einmal betonen, wie wertvoll sie mir als Mitarbeiterin sind und dass ich möchte, dass wir gemeinsam einen Weg finden“. Puh, das klingt gut. Maries Schultern senken sich ein wenig. 

    „Den von Ihnen gewünschten Betrag kann ich Ihnen leider nicht geben. Ich habe es versucht, aber wie schon vermutet, gibt es da einfach unternehmensweite Obergrenzen, die ich nicht übersteigen darf. Aber ich möchte Ihnen gern einen Plan anbieten: Sie bekommen jetzt 150 € mehr und in 3 Monaten 75 €. Und wir haben ja schon darüber gesprochen, dass ich Sie zukünftig in einer Führungsrolle sehe. Also möchte ich Ihnen gern ein Führungstraining bezahlen. Und wenn sie das absolviert haben und die Führung des Werkstudenten übernehmen, erhöhen wir ihr Gehalt noch einmal um 150 €. Wie klingt das für sie?“

    Marie traut ihren Ohren nicht. Genau das hatte sie sich auch überlegt, mit solch einem Paket wollte sie auch in die Verhandlung gehen. Doch ganz zufrieden ist sie noch nicht. 

    „Die zweite Erhöhung liegt bei 100 € statt 75 €. Und ich bekomme die Teilprojektleitung für das aktuelle Projekt übertragen. Und die Staffelerhöhung halten wir schriftlich fest“.

    Mut wird belohnt

    „Sie sind ja ein ziemlich harter Verhandlungspartner. Das gefällt mir.“ Ihr Chef nickt anerkennend. „Also gut, die Gehaltserhöhung halten wir so fest und sie suchen sich eine passende Weiterbildung aus. Holen Sie sich dazu vielleicht auch noch mal Empfehlungen von den Kollegen. Aber keine „Verhandlungstechniken“. Die haben sie schon gut genug drauf“. Ihr Chef lacht lauthals und reicht ihr die Hand. „Deal?“

    „Deal“ antwortet Marie erleichtert. Das es  in diesem Termin jetzt so gut läuft, damit hätte sie nicht gerechnet. Wie hilfreich da doch ein bisschen Bedenkzeit für beide doch war“. 

    „Wunderbar“. Auch ihr Chef ist erleichtert und gelöster, als in den letzten Tagen. „Das Erhöhungsschreiben setze ich Ihnen gleich auf, dann haben sie es auch schriftlich. Genauso wie das Protokoll unseres Gesprächs“. Während er das sagt, ist ihr Chef aufgestanden und hat den Stuhl an den Tisch geschoben. Nun ist er auf dem Weg zur Tür. „Und jetzt einen Kaffee? Den haben wir uns jetzt beide verdient“. 

    Marie nickt und beide verlassen zusammen den Raum. Fröhlich und zufrieden. 

    Abenteuer Mitarbeitergespräch         (Teil III: Souverän im Mitarbeitergespräch)

    Abenteuer Mitarbeitergespräch (Teil III: Souverän im Mitarbeitergespräch)

    „Setzen Sie sich, nehmen Sie Platz. Herzlich Willkommen zu Ihrem Mitarbeitergespräch. Wie geht es Ihnen?“ 

    Maries Chef öffnet ihr die Tür. Sie durchschreitet den Raum bis zu einem Platz gegenüber ihres Chefs. Sie ist ganz froh, dass sie das Gespräch in einem Meetingraum führen und nicht in seinem Büro. Da hätte sie sich doch wie ein Gast gefühlt. Und ein bisschen eingeschüchtert und unwohl. Auf dem Weg zu ihrem Stuhl achtet sie darauf, den Rücken gerade zu machen und nicht zu tänzeln, wie sie es bei guter Laune gerne mal tut. Heute möchte sie souverän sein. Kurz vor dem Gespräch hat sie doch tatsächlich noch Andreas‘ Tipp ausprobiert und in einer ruhigen Ecke die Superman-Pose geübt. Auch wenn es sich albern anfühlte, hat es sie doch auch irgendwie stark, souverän und selbstbewusst gemacht. An dem „Fake it till you make it”, muss doch etwas dran sein. Während sie den Stuhl heran zieht, schmunzelt sie bei dem Gedanken daran. 

    „Ich bin ein bisschen aufgeregt. Und vor allem gespannt auf unser Gespräch. Ich freu mich darauf“. 

    Die Gesprächsstruktur

    „Sehr gut! Das war ja auch ein ziemlich herausforderndes Jahr. Ich strukturiere meine Gespräche so, dass wir erst einmal über das letzte Jahr sprechen, dann über die aktuelle Situation und dann werfen wir einen Blick in die Zukunft. Ist das für Sie in Ordnung“?

    Marie nickt. Ihre Hände kneten sich nervös unter dem Tisch, ihr linkes Bein ist überschlagen und wippt unregelmäßig im Takt.  Sie setzt sich noch einmal gerade hin. Zum Glück hat sie an ein Glas Wasser gedacht, an dem sie sich im Notfall festhalten kann. 

    „Dann legen Sie mal los, wie haben sie das letzte Jahr so wahrgenommen?“

    Zeit für deine Leistung & Learnings

    „Es war ein spannendes Jahr und ich habe mich sehr darüber  gefreut, dass ich so viel Verantwortung übernehmen konnte. Dass ich jetzt auch technische Ansprechpartnerin für den Kunden bin, finde ich richtig gut. Und ich bin stolz darauf, dass ich den Kunden durch meine enge Zusammenarbeit mit ihm auch von unseren anderen technischen Lösungen überzeugen und damit sein Problem lösen konnte“. 

    Ihr Chef nickte zustimmend. „Ja, das ist mir auch sehr positiv aufgefallen. Sie haben sehr engagiert, souverän und umsichtig agiert und auch einen Blick über den Tellerrand bewiesen. Nur was war dann im April los?“

    „Das habe ich mich auch schon gefragt und auch viel mit Kollegen darüber gesprochen. Mir fehlte da einfach noch die Erfahrung als Projektleitung und habe deshalb nicht erkannt, dass sich das Budget dem Ende zuneigt. Daraus habe ich gelernt und damit das nicht wieder passiert, arbeite ich mich gerade durch zwei Projektmanagement-Bücher“.

    „Sehr gut, das deckt sich mit meinem Eindruck, dass sie viel aus dieser Situation gelernt haben. In der Zukunft wünsche ich mir, dass sie früher mit mir sprechen, wenn sie Probleme haben“. 

    Marie versprach es ihm und atmete leise aus. Diese Situation hat sie souverän gemeistert. Dabei hatte ihr der Gedanke daran in der letzten Nacht noch eine schlaflose Nacht beschert. Sie merkt, wie sich auch ihre feuchten Hände entspannten, ihr Bein aufhört zu wippen und sie nimmt einen großen Schluck aus ihrem Wasserglas. 

    Anschließend plauderten die beiden noch über die aktuelle Situation, zum Beispiel über die Zusammenarbeit mit dem Chef und den Kollegen. Hier war alles in Ordnung. 

    „Was stellen sie sich denn für die Zukunft so vor?“ fragt ihr Chef schließlich?

    „Ich würde gern irgendwann eine Führungsaufgabe übernehmen. Und eine Weiterbildung wäre noch klasse“. 

    In einer Führungsrolle sehe ich sie auch, allerdings noch nicht jetzt gleich. Hier fehlt ihnen noch ein bisschen Erfahrung. Sie wissen ja, dass Frau Claus in einem Jahr in Rente geht. Da möchte ich sie gern als Nachwuchskraft aufbauen. Und an welches Training dachten Sie?“

    „Ääähmm…ach so…so schnell schon…das ist ja super…hihi!“

    Souverän bleiben – in jeder Situation

    Mist! Das wollte sie doch nicht. Doch diese neue Perspektive hat sie völlig aus der Bahn geworfen. So schnell hatte sie damit nicht gerechnet. Sie hibbelt auf ihrem Stuhl herum und streicht sich hektisch eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie räuspert sich. 

    „Das klingt super, ich würde gern an diesem Nachwuchsprogramm teilnehmen und freue mich, dass es schon so bald losgeht“. Und über die Weiterbildung muss ich unter diesen Umständen noch einmal nachdenken, welche ich denn dann am meisten brauche. Ist das in Ordnung?“

    Und dann gab es da ja noch den letzten Punkt auf ihrer Agenda. Sie erinnerte sich an die Souveränitäts-Checkliste, die sie von ihrer Freundin mitbekommen hatte: 

    • „Stell beide Füße auf den Boden. Erde dich. So läufst du nicht Gefahr, hektisch herumzuwackeln und du fühlst dich sicher. 

    • Wenn möglich, leg die Hände ruhig auf den Tisch. Wenn sie zittern oder unruhig sind, kannst du sie auch auf deine Beine legen. Und typische Falle: Keinen Stift oder ähnliches in der Hand halten, wenn du dazu neigst, nervös zu sein. Schon so mancher hat ein Konzert mit dem Druckknopfs des Kulis gegeben, ohne es zu merken“. Ihre Freundin hatte das entsprechend pantomimisch dargestellt. Auch bei dieser Vorstellung schmunzelte Marie und legte ihren Kugelschreiber demonstrativ zur Seite.

    • „Setz dich aufrecht hin und halte Blickkontakt. Und zwar geradeaus und nicht mit scheuen Blick von unten. Wir Frauen neigen dazu, den Kopf zur Seite zu legen und unseren Gesprächspartner mit Hundeblick anzugucken. So bekommt man vielleicht Harmonie, doch mit Sicherheit keinen Respekt und keine Lorbeeren. Außerdem keine Gehaltserhöhung. Und souverän ist es auch nicht. Also Kopf aufrecht und Augen geradeaus“. Manchmal hatte ihre Freundin durchaus auch etwas von einem Drill Sergeant, fiel Marie bei dieser Gelegenheit auf. 

    • „Halte Pausen aus“. Nenne deinen Gehaltswunsch und lass deinen Chef diesen erst einmal verdauen. Häufig reden sich Frauen um Kopf und Kragen, einfach weil sie diese Pause nicht ertragen. Die Stille ist in Ordnung, du musst da nicht reden. 

    • Wenn möglich, achte auf deine Stimme. Es kann sein, dass sie zittrig wird. Dann ist das so. Und mach dir keinen Stress mit dem Anspruch, einen perfekten Satz zu formulieren. Hauptsache, die Botschaft kommt rüber. Und wenn du merkst, dass deine Stimme dünner wird, dann das Ausatmen nicht vergessen.“

    Gönn‘ auch deinem Gehirn ein bisschen Luft

    Ha, das hatte Andreas auch gesagt. Wenn sie aufgeregt ist, dann soll sie sich einfach auf ihre Atmung konzentrieren. Und vor allem auf die Ausatmung. Denn meist, wenn wir das Gefühl haben, zu wenig Sauerstoff zu bekommen und deshalb immer mehr einatmen, müssten wir einfach nur mal eine Pause machen und ausatmen. Das klang logisch, also setzt sich Marie aufrecht hin und atmete leise aus. „Hey, das funktioniert tatsächlich“, denkt sie, und entspannt sich.

    • „Und der wichtigste Punkt“ hatte sie die Stimme ihrer Freundin wieder im Ohr „denk daran, ihr seid souveräne, ebenbürtige Partner. Dein Chef möchte ja auch etwas von dir, nämlich deine Motivation und deine Leistung. Kein Grund also, dich unter Wert zu verkaufen“

    Jawohl, dieser Gedanke beflügelt Marie noch einmal. Sie stellt ihre Füße auf, legt die Hände auf den Tisch, richtet sich auf, hebt den Kopf, räuspert sich und sagt:

    „Ich möchte gern auch noch einmal über mein Gehalt sprechen. Ich dachte da an 59.000 €“

    Die Miene ihres Chefs verdunkelt sich. „Ich verstehe Ihren Wunsch aber in diesem Bereich sehe ich Sie momentan noch nicht“

    Marie schießt das Blut in die Wangen, ihre Stirn pocht. Plötzlich ist es ziemlich warm in diesem Raum. Verdammt. War es eben auch schon so warm hier….?

    To be continued

    Abenteuer Mitarbeitergespräch         (Teil II: Gehaltsgespräche like a Boss)

    Abenteuer Mitarbeitergespräch (Teil II: Gehaltsgespräche like a Boss)

    – Gehaltsverhandlungen richtig vorbereiten-

    Riiiing riiiiing….Maries Freundin ist am Telefon und lacht fröhlich „N’abend. Naaaa schon aufgeregt wegen deines Gesprächs morgen?“

    Marie hatte es sich gerade mit einer Tasse Ingwertee gemütlich gemacht, um sich noch ein bisschen zu entspannen vor dem großen Tag morgen. „Naja, ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Aber ich freue mich auch darauf. Wann hat man den Chef schon mal ganz für sich, um mal über die eigene Entwicklung zu sprechen?!“, sagte sie und nahm einen großen Schluck aus ihrer bauchigen Tasse. Ganz schön kalt und neblig dieser Abend im Januar. 

    „Ja genau, da hast du total Recht. Und du bist gut vorbereitet. Deine Highlights des letzten Jahres hast du dir ja schon aufgeschrieben und du weißt auch, wie du mit dem versenkten Projekt aus dem letzten April umgehen willst. Du hast ja daraus viel gelernt. Damit hast du ja die besten Argumente für deine Gehaltserhöhung. Was willst du denn jetzt eigentlich verdienen?“

    Marie verschluckte sich an ihrem heißem Tee und musste husten „Warum? Ich dachte, mein Chef macht mir einen Vorschlag“. 

    Wer fragt, der führt

    Ihre Freundin musste wieder lachen. „Jaja, wenn du Glück hast, dann macht er das. Aber wenn ich als Chefin die Gespräche mit meinen Mitarbeitern führe, lasse ich sie auch erst einmal kommen. Und ich bin fair, deshalb spreche ich das Thema Gehalt irgendwann selbst an, wenn die Mitarbeiter stumm bleiben. Aber theoretisch…wer nicht fragt, möchte ja auch vielleicht gar nicht mehr“. 

    „Oh, also muss ich damit starten?“ 

    „Wenn dein Chef nichts sagt, dann ja.“

    „Und welche Summe soll ich da sagen?“

    Welches Gehalt ist angemessen?

    „Hmmm, so pauschal kann ich dir da keine Summe nennen. Deine Gehaltserhöhung hängt von den folgenden Punkten ab: 

    • Dein Ausgangsgehalt. Bist du niedrig gestartet? Dann versuche nun einen größeren Sprung zu machen. Bist du beim Einstieg runtergehandelt worden? Schließe diese Lücke nun bis zu deinem Wunschgehalt. Generell solltest du immer darauf achten, beim Einstieg möglichst hoch einzusteigen. Später wird es umso schwieriger, ein bisschen höher zu kommen. Allerdings ist dann immer auch noch ein bisschen Spielraum. Nutze ihn jetzt!
    • Wann und wie hoch war deine letzte Erhöhung?
    • Dein jetziges Gehalt und wie es sich zusammen setzt: Gibt es einen variablen Anteil und ist der auch realistischerweise zu erreichen oder hast du da in den letzten Jahren eher in die Röhre geguckt. Wenn ja, dann sprich das an und ihr überlegt gemeinsam, ob ein Teil des variablen Anteils in ein Fixum gewandelt wird. Oder wie die Umstände geändert werden können, so dass du die 100 % erreichst
    • Informiere dich über dein branchenübliches Gehalt. Vergleichsportale wie Glassdoor und Kununu geben Richtwerte für viele Branchen und Erfahrungsklassen
    • Wenn du einen guten Draht zu Kollegen hast, kannst du auch mal versuchen, etwas über das Gehaltsgefüge im Unternehmen zu erfahren. Und auch wenn in deinem Vertrag steht, dass du das nicht darfst…trau dich ruhig. Arbeitsgerichte haben diese Klausel gestrichen, denn sonst hättest du vielleicht gar keine Chance auf eine faire Bezahlung. 
    • Die Gehaltserhöhung sollte mindestens die Inflation ausgleichen. Mit >2 % machst du nichts verkehrt. Und meiner Erfahrung nach liegen die meisten Gehaltssteigerungen so bei max. 6-7 %. Alles in Richtung 10 % erreicht man eher bei einem Jobwechsel“. 

    schloss ihre Freundin ihre Ausführung. 

    Auf die Fairness kommt es an

    „Und mach‘ nicht den Fehler, den ich am Anfang gemacht habe. Ich habe mich total runterhandeln lassen beim Einstieg und relativ schnell gemerkt, dass ich zu wenig verdiene und den variablen Anteil meines Gehalts gar nicht erreichen kann. Da hab‘ ich mich total über den Tisch gezogen gefühlt, war frustriert und bin mit einem Knoten im Bauch zur Arbeit gegangen.  Außerdem hatte ich das Gefühl, dass meine männlichen Ingenieur-Kollegen viel mehr verdienen“. 

    „War da nicht auch der Fall mit deiner Kollegin, die da gerichtlich gegen vorgegangen ist?“ erinnerte sich Marie. 

    „Ja genau“, stimmte ihre Freundin ihr nachdenklich zu. „Sie hatte das Gefühl, dass sie diskriminiert wird und hat deshalb eine Offenlegung der Gehaltsstrukturen gefordert. Dank des Entgelttransparenzgesetz geht das ja jetzt. Allerdings nur bei Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern, um die Anonymität zu wahren. Bei Diskriminierung verstehen Gerichte auch echt keinen Spaß. Oder man fragt seinen Betriebsrat, soweit es einen gibt, wenn man das Gefühl hat, dass man aufgrund seines Geschlechts diskriminiert wird. 

    Aber von so etwas wollen wir ja jetzt erst einmal gar nicht ausgehen. 

    Wie willst du denn in die Gehaltsverhandlung einleiten?“

     

    Übung macht den Meister – auch beim Gehalt-

    „Gute Frage, ich grübele schon die ganze Zeit über einen spritzigen Einstieg“ antwortete Marie. Hast du da nicht eine gute Formulierung für mich?“

    „Am besten übt man das „live“. Marie hörte ihre Freundin im Hintergrund kramen und ihren Schlüssel klimpern. „Pass auf, ich bin in 10 Minuten da und dann üben wir das“. 

    Und pünktlich wie die Maurer steht ihre Freundin zehn Minuten später vor ihrer Tür, eine Flasche ihres Lieblingsrotweins in der Hand. „Für die Motivation“ lacht sie und schiebt sich an Marie vorbei in die Wohnung. 

    Auf dem Sofa angekommen, guckt sie Marie erwartungsfroh an. „Leg los“. 

    „Einen Punkt habe ich noch auf der Agenda. Ich möchte noch über mein Gehalt sprechen“

    Cool bleiben in der Gehaltsverhandlung

    „Sehr gut. Das Gespräch ist klar struktiert und du spricht aktiv, ohne Konjunktiv. Sehr gut“ nickt Maries Freundin anerkennend. 

                                       „…..äääähhhhjaaaaa…..also…..ääähm…..vielleicht…..hihi“

    „Stopp. Deinen souveränen Eindruck von eben machst du damit Zunichte. Versuche dich nicht zu verhaspeln. Und Frauen neigen dazu, in solchen Momenten aus Nervosität anzufangen zu kichern. Das würde kein Mann tun. Also sag klar und mit neutralem Gesichtsausdruck deinen Gehaltswunsch“

    „Ja aber wie viel mehr kann ich denn fordern, ohne dass es unverschämt wirkt?“

    „Trau dich und hau doch einfach mal einen raus. Diesen Tipp hab ich mal von einem männlichen Berater bekommen. Und dann wirst du schon sehen, was dein Chef sagt. Auch wenn es uns schwer fällt, hier geht es nicht um Harmonie und um deinen Glaubenssatz „sei lieb. Den solltest du dir vielleicht vorher noch einmal ansehen“. Sie hat so viel geredet, jetzt braucht sie erst einmal einen Schluck Wein. Doch ganz fertig war sie noch nicht: 

    „Und denk dran: Männer spielen auch gern und zu verhandeln macht ihnen Spaß. Also gönn‘ ihnen diesen Spaß und begebe dich auf Augenhöhe, indem du dich als ebenbürtiger Spielpartner zeigst“. Dabei wirft ihre Freundin einen imaginären Würfel, bevor sie sich zufrieden zurück auf das Sofa fallen lässt.

    „Puh, ganz schön viel zu merken. Hoffentlich denke ich an das alles“ schnauft Marie.

    „Deshalb ist es ja gut, so etwas vorher schon einmal zu üben. Dann fällt es dir im Gespräch später umso leichter“

     

    Hilfreiche Anker setzen

    „Ok, also gehen wir mal davon aus, dass ich jetzt 50.000 verdiene und gern 52.000 € verdienen möchte. Dann schlage ich doch zum Beispiel 54.000 € vor, damit mein Chef ein bisschen verhandeln kann, richtig…?“

    „Ja grundsätzlich richtig. Nur viel zu wenig. Hau eine 59.000 € raus. Das ist unter der magischen Grenze des nächsten Zahlenwechsels und gleichzeitig deutlich höher. Damit steigt deine Chance, dass du auch das bekommst, was du möchtest. Oder mehr“. 

                                       Marie nickt. 

    „Und wusstest du, dass das Gehirn mit dem Ankereffekt arbeitet? Das heißt, dass es sich Zahlen merkt, die es zuvor gehört hat und diese in Verbindung setzt mit den jetzt gehörten Zahlen. Dabei müssen die Zahlen vorher gar nichts mit deinem Gehalt zu tun haben. Also wenn es passt, dann sprich zum Beispiel lieber von den „1000 Sachen“, die du gelernt hast im letzten Jahr als von den „3-4 neuen Dingen“. An diesen Zahlen wird sich das Gehirn dann vielleicht orientieren und weniger schlucken bei einer höheren Gehaltssteigerung“

    „Ha, spannend. Also warum sich das Gehirn nicht mal zum Freund machen“ zwinkert Marie. 

    „Und wenn ich meinen Gehaltswunsch geäußert habe, was mache ich dann?“

    „Dann bist du ruhig, hältst die Pause aus und lässt deinen Chef reagieren“

    „Und wenn es nicht rund läuft?“

    to be continuided…

    Abenteuer Mitarbeitergespräch          (Teil I: Die Vorbereitung)

    Abenteuer Mitarbeitergespräch (Teil I: Die Vorbereitung)

    „Montag morgen, 9.00 Uhr. Kommen Sie bitte in mein Büro für Ihr Mitarbeitergespräch. Viel Zeit hab ich aber nicht“. 

    Marie stockt der Atem, ihr Herz klopft wie wild. Heute ist schon Donnerstag. Wie soll sie es nur so schnell schaffen, sich auf das Gespräch richtig vorzubereiten? Sie sieht sich schon am Wochenende schlaflos im Bett wälzen. Es ist auch ihr erstes Mitarbeitergespräch und sie weiß gar nicht so richtig, was sie dort erwartet. 

    Ein Treffen mit ihrer Freundin muss her. Zum Glück hat sie während der Mittagspause Zeit und während sie auf ihr Essen warten, erzählt ihre Freundin von ihren Erfahrungen: 

    Wie finde ich den richtigen Zeitpunkt für mein Mitarbeitergespräch?

    „Auf gar keinen Fall am Montag morgen. Mein letztes Mitarbeitergespräch war auch da und es war total anstrengend, weil ständig jemand rein kam und ganz ganz dringend etwas von meinem Chef wollte. Außerdem habe ich gemerkt, dass er auf heißen Kohlen saß, weil sein E-Mail-Postfach rief. Und dieses Gefühl, dass das für mich so wichtige Gespräch so zwischen Tür und Angel stattgefunden hat, war auch nicht so prickelnd. Am Ende habe ich die Hälfte vergessen und ging mit Ärger im Bauch wieder an meinen Platz“. 

    Aus diesem Gespräch hat sich Marie einige Tipps mitgenommen: 

    • „Plan‘ das Gespräch mit ausreichend Vorlauf, um beiden Gesprächsparteien die Möglichkeit zu geben, sich richtig darauf vorzubereiten

    • Plane ausreichend Zeit ein. So ein Mitarbeitergespräch zwischen Tür und Angel zu führen, stresst. Stelle sicher, dass ausreichend Zeit für die wichtigen Themen ist.

    • Montagmorgen und Freitagnachmittag sind die ungünstigten Zeitpunkte für so ein Gespräch. Montags wartet der E-Mail-Posteingang und freitags ist man am Nachmittag bereits gedanklich im Wochenende. WENN man es sich aussuchen kann, sollte ein Termin innerhalb der Woche sein

    • Und auf die Jahreszeit kommt es an. Gerade im Jahresendgeschäft herrscht meistens viel Trubel, da noch letzte Projekte abgeschlossen werden. Beginne das neue Jahr mit deinem Gespräch als Auftakt und mit dem Ausblick auf das neue gemeinsame Geschäftsjahr“

    So richtig glücklich ist sie mit diesem Zeitpunkt nicht. Sie guckt in seinen Kalender „oh, am Dienstag um 15 Uhr ist ja noch ein Termin frei“. Da sie einen ganz guten Draht zu ihrem Chef hat, bittet sie ihn nach dem Mittagessen um diesen Termin. „Kein Problem“ antwortet er ihr. Vergnügt geht sie aus seinem Büro und flüstert zu sich selbst „Das war ja einfach- da hätte ich mir ja gar nicht so viele Platte machen müssen“. 

    Wenn eine Verschiebung nicht möglich ist, dann weiß sie jetzt auch, dass sie im Zweifelsfall ihre wichtigen Themen sammeln und um einen Folgetermin bitten sollte, wenn im Gespräch deutlich wird, dass die Zeit knapp ist. „Besser vertagt und ordentlich besprochen, als zwischengeschoben und schnell wieder vergessen“ sagte ihre Freundin noch, während sie sich den letzten Bissen ihres Maccaroni-Auflaufs in den Mund schob.  

    Tu‘ Gutes und sprich drüber

    Das A und O ist deine Leistung. Was hast du dem Unternehmen gebracht? Sicherlich hat dein Chef schon mitbekommen, was du so gemacht hat. Doch alles kann er gar nicht sehen, er sitzt ja schließlich nicht ständig neben dir. Zum Glück“ lachte ihre Freundin und bestellt noch einen Espresso gegen das Mittagstief. 

    Leitfragen für deine Leistungsbewertung

    Damit sie nichts vergisst, hat sie auch schon eine E-Mail mit möglichen Fragen auf ihrem Rechner, als sie sich nach dem Mittagessen mit ihrem Büro-Kaffee wieder auf ihren Stuhl fallen lässt: 

    • Welche Projekte hast du abgeschlossen? Welche Neuen bereits erfolgreich angestoßen?

    • Was hast du etwas Neues für die Firma entwickelt?

    • Wo hast du vielleicht sogar Geld für die Firma gespart?

    • Wo hast du Verantwortung übernommen?

    • Hast du Mitarbeiter oder Kollegen disziplinarisch oder fachlich geführt?

    • Hast sie z.B. Publikationen für die Firma veröffentlicht?

    • Was hast du gelernt?

    Bescheidenheit ist hier nicht angesagt. „Tu‘ Gutes und sprich drüber“ ist die Maxime. 

    Uppps…auch Fehlschläge passieren

    Da sie sich selbst nicht ganz sicher ist, fragt sie auch noch einmal eine Kollegin, ob sie sich noch an etwas erinnert. Und tatsächlich gab es da noch ein weiteres Projekt am Anfang des Jahres. 

    „Und denk auch an das März-Projekt. Das lief ja leider nicht so ganz rund“. Mist, dass hatte sie total vergessen. Gedankenverloren dreht sie ihre Tasse in der Hand. Am liebsten würde sie dieses Projekt unter den Tisch fallen lassen. Besonders mit Ruhm bekleckert hat sie sich da ja nicht. „Hey, mach dir nichts draus“. Die Kollegin zwinkert ihr zu und grinst. „Das ist mies gelaufen, keine Frage. Aber das passiert den besten. Also Schultern zurück und Rücken grade, Angriff ist die beste Verteidigung. Und wenn das Gespräch darauf kommt, dann sag von dir aus, dass du damit auch nicht zufrieden warst und vor allem, was du daraus gelernt hast“. Puh, so richtig begeistert ist Marie davon nicht. Aber duckmäuserisch in Schreckstarre zu verharren oder sich unter dem Tisch zu verstecken, ist ja leider keine Option. Also, Augen zu und durch. 

    Jetzt hat sie alle Informationen zusammen, die sie braucht und kann beruhigt ins Wochenende starten. 

    Fühl dich wie eine Superheldin

    Dienstag morgen, der Januartag startet neblig und trüb. Und genauso ist auch ihre Stimmung heute. Sie ist schon ziemlich aufgeregt und angespannt. Andreas, ihr Lieblingskollege, trifft sie am Kopierer und fragt sie, welche Laus ihr denn über die Leber gelaufen ist. Und Andreas, der sonst immer so sicher und selbstbewusst wirkt, verrät ihr ein Geheimnis:“ Weißt du, ich bin vor solchen Gesprächen auch immer ziemlich aufgregt. Ich hab da einen Geheimtipp: Wenn mich keiner sieht, dann mache ich ein paar Atemübungen und versuche, mich zu konzentrieren. Und dann stelle ich mich in die Superman-Pose“ – „In die Superman-Pose“? – „Ja genau. Das klingt total albern, hilft aber total. Einfach grader Rücken, Arme gestreckt und wie ein Superheld fühlen“. Fake it till you make it“. Vor lauter Lachen über dieses Bild im Kopf verschüttet Marie fast ihr Wasser über dem Drucker.

    Ihr beide wollt etwas voneinander

    „Und außerdem“, so Andreas weiter, will dir dein Chef doch auch nichts Böses. Also sieh doch das Mitarbeitergespräch auch als Chance, um dich weiter zu entwickeln und über deine Perspektive im Unternehmen zu sprechen. Und vielleicht auch über eine Weiterbildung“. Und während er das sagt, kämpft sich die Sonne plötzlich durch die graue Wolkendecke. Auf einmal ist es Marie auch nicht mehr so mulmig im Bauch. Stimmt, so hatte sie das noch gar nicht gesehen. Und sie ist ja auch gut vorbereitet, indem sie sich auch Gedanken über ihre Weiterentwicklung und ihren Gehaltswunsch gemacht hat. Doch dazu mehr in einer anderen Geschichte. 

    „Es wird schon nicht so schlimm werden“ murmelt Marie zu sich und mit dem Bild vom Superhelden-Andreas im Kopf verlässt sie schmunzelt den Druckerraum, schon einmal heimlich die Superhelden-Pose übend, kann das Gespräch ja jetzt kommen…

    Wie du 2020 mit deinem Visionboard gestaltest

    Wie du 2020 mit deinem Visionboard gestaltest

    „Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen….“

    Wer kennt es nicht, das Zitat des Altkanzlers Helmut Schmidt?! Ich finde es eine gute Einleitung in Das Thema „Visionboard“ zum Jahresbeginn. Allerdings denke ich nicht, dass man zum Arzt gehen soll, wenn man Visionen hat. Sondern vielmehr, dass man auf dem richtigen Weg ist…: 

    Wenn du die beiden letzten Podcast-Folgen (Fem in Business) des Jahres gehört hast, dann hattest du vielleicht auch dein „besonders schönes Geschenk mit der Eigenschaft, die du dir am meisten wünschst“ unter dem Weihnachtsbaum und hast dir zu Silvester einmal selbst ordentlich auf die Schulter geklopft, für das, was du alles im letzten Jahr erreicht hast. Nun hast du dir überlegt, welche Eigenschaft du gern im nächsten….äääh, also in diesem Jahr stärker ausleben möchtest? Die Fragen sind nun „Was“ und „Wie“.

    Was eignet sich zur Beantwortung dieser Frage besser als ein Visionboard?

    Auf diesem Board kannst du deine Wünsche und Ziele mit Hilfe von Bildern, Zeichungen und Beschriftungen zum Leben erwecken. Und vielleicht entdeckst du dabei auch einen versteckten Wunsch, der schon lange in der Tiefe schlummert, denn ich habe schon häufig erlebt: die Vision bahnt sich immer ihren Weg. Also wenn du fest daran glaubst und davon überzeugt bist, wird sich dein Wunsch auch umsetzen. 

    Für Visionsboards gibt es zahlreiche Beispiele bei Google, von denen du dich inspirieren lassen kannst. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Vorab hilft es dir, ein paar Entscheidungen zu treffen, um die Erstellung hinterher zu vereinfachen: 

    Analog oder digitales Visionboard?

    Womit arbeitest du lieber? Möchtest du dir ein haptisches Visionboard erstellen oder arbeitest du lieber rein digital? Ich persönliche arbeite bei solchen Dingen lieber old school mit den Händen. Mir werden hier Verbindungen noch klarer und ich kann die einzelnen Bilder und Bildgruppen einfach händisch mit Schriftzügen versehen. Bei anderen habe ich auch schon rein digitale Boards gesehen, die dann z.B. direkt als Hintergrund des Computers hochgeladen werden.

    Hast du vielleicht sogar Lust auf bewegte Bilder? Bei Magisto kannst du dir schnell und einfach dein eigenes Vision-Video erstellen (und nein, für diese Werbung werde ich nicht bezahlt 😉 )

    Was ist dein Favorit? Du hast die Qual der Wahl 😉

    Wahl des Zeitraums

    Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Du kannst dir z.B. ein Visionboard für das nächste Jahr erstellen. Oder für das nächste Quartal. Oder die nächsten 5 Jahre. Oder einfach drei Zeiträume (Quartal-Jahr-5Jahre) auf einem Board, aufgeteilt in mehrere Spalten. Wie fein möchtest du planen?

    Wahl des Untergrunds und des Materials

    Entscheidest du dich für ein analoges Board, kannst du als Untergrund zum Beispiel eine Korktafel nutzen. Oder einfach ein Stück Pappe oder Papier und es aufkleben. Oder du nutzt Bänder und befestigst deine Zettel mit Wäscheklammern daran. Diese Variante ist natürlich. Noch etwas flexibler als die geklebten Bilder. 

    Was zu der Frage führt, woher die Bilder denn eigentlich kommen. Du kannst sie zum Beispiel aus Magazinen ausschneiden, aus der Zeitung reißen, Postkarten verwenden, so wie auch andere, nicht papierene Dinge wie Muscheln, Bänder etc. Auch hier gibt es wieder keine Grenzen deiner Phantasie. 

    Wenn du keine Magazine vorrätig hast, kannst du auch gezielt nach Bildern bei Google suchen, die deine jeweiligen Ideen am besten abbilden und diese ausdrucken und abbilden. Das ist meine bevorzugte Art der Bildersuche 😉

    Super ist es übrigens, wenn du Bilder findest, die für dich besonders emotional sind und dirch berühren. Schließlich sollen sie dich so richtig motivieren!

    Wie findest du die richtigen Bilder?

    Doch wie kommst du eigentlich auf die Idee für die Bilder? Manchmal ist das ja nicht so einfach mit der Inspiration. Mit diesen Fragen kannst du der Muse ein bisschen auf die Sprünge helfen: 

    • Wenn du dir alles wünschen kannst: Was ist dein allergrößter Wunsch?

    • Wovon hast du als Kind geträumt?

    • Was hättest du auch gern, wenn du es bei anderen siehst

    • Wie sieht dein perfekter Job aus?

    • Stell dir vor, du sitzt in einem Jahr an einem Strand, schaust auf das Meer und genießt den Sonnenuntergang, als plötzlich dein zukünftiges ICH auf dich zukommt. Was hat sie an? Wer ist bei ihr? Wie ist sie frisiert? Welchen Job hat sie? Welche Nachricht würde sie dir übermitteln?

    Think big!! Auf diesem Board darfst du deine kühnsten Träume visualisieren. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Du möchtest mal ein schnelles Auto fahren? Dann findet der Laborgini den Weg auf dein Visionboard. Du möchtest mal eine Weltreise machen? Dann ist nicht weniger als die Weltkugel auf deinem Bild zu sehen. Brav und zurückhaltend ist hier nicht gefragt, vielmehr grenzenlose Wünsche.

    Wer nach Krümeln fragt, bekommt keine Torte 

    Und dann geht’s ran an’s Basteln!

    Stifte, Schere, Klebe auf dem Tisch

    Dein fertiges Board stellst oder hängst du dir am besten irgendwo gut sichtbar in deine Wohnung, so dass du mindestens einmal täglich einen Blick darauf wirfst beim Vorbeigehen. 

    Und dann warte ab, was passiert. Denn dein Unterbewusstsein findet Wege…

    Wie du Vom Bild in die Umsetzung kommst

    Doch mit Daumen drücken und Tee trinken ist es besser nicht getan. Ich empfehle in Coachings auch immer, dieses Visionboard in kleinere Ziele und anschließend in Maßnahmen herunter zu brechen, um auch tatsächlich in’s Tun zu kommen. Denn ohne dein Tun kann dein Unterbewusstsein allein deine Visionen auch nicht umsetzen 😉

    Hier hat sich zum Beispiel eine einfache Tabelle mit der Aufteilung 

    Vision- Ziel- Maßnahmen- Zeitpunkt 

    bewährt. Die Ziele sollten immer, wie du ja wahrscheinlich schon lange weißt, SMART sein (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert). So kannst du zwischendurch auch immer mal wieder tracken, ob du noch auf Kurs bist. Und am Ende des Jahres…Simsalabim…hat sich deine Vision auch schon erfüllt. So einfach ist das 🙂

    Ich wünsche dir viel Spaß beim Basteln und Gestalten. Schick mir doch auch gern mal dein Board, wenn es fertig ist. Ich bin schon sehr gespannt. 

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