Wie möchtest DU zukünftig arbeiten?

18 Mai 2020 | Frauen im Business

Woman in garden, flowers, bumble bee

„Sie ist eine Frau, deshalb macht sie keine Karriere.“

„Na Püppi, kannst du uns nicht mal eben ‘nen Kaffee holen?“ oder auch

„Jetzt hören wir mal auf, über diesen Mitarbeiter-Firlefanz zu reden, gucken auf die Fakten und fangen an zu arbeiten.“

Diese und ähnliche Aussagen habe ich in meiner langjährigen Erfahrung als studentische Mitarbeiterin und spätere Personalerin in männerdominierten Branchen häufiger gehört –  genauso wie meine Coaching-Kundinnen, aber auch meine Freundinnen oder Personaler-Kolleginnen berichten darüber in den Netzwerken. Und wie häufig ist man fassungslos und sprachlos vor Wut – oder Ohnmacht – und schluckt das einfach nur runter. Einfach, weil man nicht weiß, was man sagen soll, oder weil man nicht glauben kann, dass das gerade passiert ist. Oder einfach aus Angst vor den Konsequenzen. Wird einem geglaubt? Wird man ausgelacht? Oder wird wieder alles nur auf das „Frauen-Tüdelüt“ geschoben, das ganz niedlich ist, bevor man sich im Business wieder den „richtigen“ Themen zuwendet. Den Zahlen.

So weiter arbeiten – oder kündigen?

Gefühle, Bauchgefühl und Empathie haben in solchen Meetings nichts verloren. Was Unternehmen dadurch an Potenzialen und Umsätzen verloren gehen, ist ihnen dabei meistens gar nicht bewusst. Wenn der Fokus vieler Unternehmen mehr auch auf den „weichen“ Faktoren der Zusammenarbeit liegen würde, hätte so manche Kündigung vielleicht verhindert werden können – zumindest die Kündigung derjenigen Frauen, die sich nach wiederholten Meetings, in denen sie sprachlos da saßen, weil sie einfach nicht zu Wort kommen. Einfach nur, weil sie die Alpha-Spiele nicht mitgespielt haben.

Dieser Aspekt des einzelnen Mitarbeiters, bzw. der Mitarbeiterin, wird in den „New Work“- Diskussionen und in den sogenannten „agilen Transitionen“ oder Change-Projekten häufig nicht bedacht. Das ist auch der Grund, weshalb viele dieser Changes scheitern. Zu häufig ist der Fokus nur auf dem Unternehmen und seiner Kultur – vielleicht auch noch auf den Führungskräften. Doch das war es dann auch. Die Mitarbeiter fühlen sich abgehängt, nicht gehört und sitzen das eben aus, bis auch diese Sau durchs Dorf getrieben ist.

Die Zeit für eine Veränderung ist genau…jetzt!

Dabei ist gerade hier die größte Kraft. Eine Veränderung oder auch eine kleine Revolution muss von beiden Seiten angestoßen werden. Und am Ende trifft man sich in der Mitte.

Was also kannst du als Mitarbeiterin tun, um etwas zu verändern?

  • Du kannst so nicht arbeiten? Im Zweifelsfall, wenn es gar nicht geht, wechsle den Job! Du musst so etwas nicht aushalten, es gibt genügend Firmen da draußen, die verstanden haben, dass man ein Unternehmen auch mit Wertschätzung und Vertrauen führen kann. Und vielleicht animiert das auch andere, endlich diesen Schritt zu gehen und damit ein unmissverständliches Zeichen zu setzen
  • Hol dir Unterstützung: Gibt es eine Mitarbeitervertretung in Form eines Betriebs- oder eines Personalrats? Binde deine Chefin oder deinen Chef ein und hol dir Rückendeckung, insbesondere wenn es um Themen wie sexuelle Belästigung geht. Auch eine Frauenbeauftragte ist hier die richtige Ansprechpartnerin.
  • Auch rechtlich gibt es Schutzmechanismen: Das Entgelttransparenzgesetz beispielsweise kannst du ins Feld führen, wenn du den Eindruck hast, schlechter bezahlt zu werden. Und der Gesetzgeber ist sehr sensibel, wenn es um Diskriminierung jeglicher Art geht.

Das sind natürlich schon die harten Bandagen. Doch soweit muss es ja gar nicht kommen. Du möchtest, dass sich etwas ändert? Dann sammle deinen Mut und los geht’s:

Was du für deine Wunsch-Arbeitsbedingungen tun kannst

  • Spiel‘ das Spiel mit. Beobachte und lerne die Spielregeln des Spiels. Wonach entscheidet sich, wer das Meeting leitet oder wer die Entscheidungen trifft? Häufig ist es nicht der „offizielle“ Entscheider, sondern jemand, den du nicht erwartet hättest. Mit wem halten die Kollegen Blickkontakt? Wer darf aussprechen und wem fällt man ins Wort? Wir Frauen sind da häufig auf Ausgleich bedacht und versuchen, beim Reden alle gleichermaßen anzugucken. Doch damit bist du im Aus. Der Entscheider fühlt sich nicht angesprochen und wird dich nicht so wahrnehmen, wie du es verdienst.
  • Die Entscheidungen werden häufig nicht am Meetingtisch getroffen, sondern beim Mittagessen, bei Flurgesprächen oder beim gemeinsamen Hobby. Im Netzwerken können wir Frauen noch besser werden! Also suche auch du dir Mitstreiter, die gemeinsam mit dir zusammen überzeugen werden
  • Du sollst nicht männlicher als ein Mann werden. Vielmehr geht es darum, deine (weiblichen) Botschaften so zu verpacken, dass sie auch beim Empfänger ankommen. Der Köder muss ja bekanntlich dem Fisch schmecken ;-). Du möchtest über die Verbesserung der Führung sprechen? Wunderbar. Am besten in der Sprache der Herren. Zahlen, Daten, Fakten. Und gern auch zwischendurch wohldosiert mit ein bisschen Gefühl. Irgendwie muss man sie ja auch daran gewöhnen 😉
  • Mach dir Gedanken darüber, wie du arbeiten möchtest. Zu häufig höre ich „Irgendwas soll anders sein … aber ich weiß auch nicht so richtig, was eigentlich genau …“. Geh diesem „Irgendwas soll anders werden-Gefühl“ auf den Grund. Als Kinder konnten wir doch auch sehr genaue Wunschlisten zu Weihnachten schreiben. Doch irgendwann haben wir „sei bescheiden“, „sei ruhig“ oder „halt dich zurück“ gelernt. Und dann sind wir eben ruhig. Doch damit wird sich nichts ändern. Geh doch deinen Wünschen mal auf den Grund: Wie möchtest du arbeiten? Wie soll dein Arbeitsplatz aussehen? Wie wünschst du dir die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen? Welche Aufgaben hättest du gern? Lieber viel Abwechslung oder gern auch ein bisschen Routine? Hier findest du ein bisschen Inspiration für deine Reflexion 😉 Und wenn du Klarheit darüber hast, was du möchtest, kannst du das abgleichen mit deinem IST-Job. Und wie sieht’s aus? Viele Überschneidungen? Oder noch Luft nach oben? Und dann ab ins Gespräch. Wahrscheinlich wird sich deine Chefin oder dein Chef freuen, wenn sie oder er handfeste Argumente und Ansätze für eine Verbesserung geliefert bekommen.

Und das Wichtigste: Such dir Mitstreiterinnen. Bau dir ein Netzwerk innerhalb und außerhalb des Unternehmens aus. Sprecht über die Dinge, die euch stören oder die nicht glatt laufen und motiviert euch gegenseitig, das anzusprechen. Denn sonst wird sich nichts ändern. Stattdessen kommt das nächste Change-Projekt – doch du gehst immer noch nicht glücklicher zur Arbeit.

Arbeitest du noch oder änderst du schon was?

 Es kommt auf deine Stimme an!

Gemeinsam haben wir die Kraft und können etwas verändern.

 

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