To gender or not to gender – das ist hier die Frage

22 Aug 2021 | Psychologie und Emotionen

Gerade ist das Thema in meinem Umfeld sehr präsent. Soll man gendern oder nicht? Sowohl beim Sonntagnachmittag-Kaffee wie auch beim JunggesellenInnen-Abschied wird es leidenschaftlich diskutiert. Je nachdem, in welcher Bubble man sich gerade befindet, gehen die Meinungen da ziemlich weit auseinander. 

Wie sind die Meinungen zum gendern?

Vor allem im pädagogischen Umfeld und in öffentlichen Positionen wird sehr stark auf das richtige gendern geachtet; in meinem Beruf im Personalbereich ist das (m/w/d) sowieso schon lange Standard und im besten Fall ist immer alles schön AGG-konform formuliert.

Manch andere Gesprächspartner allerdings finden das Thema doof. Oder zumindest überflüssig. Letztens habe ich von einer Umfrage von Infratest Dimap gelesen. Hier sagten 65 % der befragten Personen, dass sie davon nichts halten. Und ich selbst schwanke auch manchmal. Teilweise nimmt es gerade extreme Züge an, so dass man sich irgendwie gar nicht mehr traut, noch etwas zu sagen, aus Angst, dass es nicht (politisch) korrekt gegendert ist.

Sprache kann diskriminieren und verletzen

Ich habe die Diskussion auch lange nicht verstanden, denn ich habe mich als Vertreterin der diskriminierten Personengruppe, kurz „Frauen“, dennoch vom generischen Maskulinum angesprochen gefühlt; bei entsprechenden Hinweisen, dass aus Gründen der Lesbarkeit die männliche Form genutzt wird, immer genickt. Ist ja auch einfacher. Und mal ehrlich, manche genderkorrekte Texte lesen sich teilweise ziemlich kryptisch.

Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass Menschen tatsächlich verletzt sind, wenn sie gar nicht oder nur stereotypisch angesprochen werden, insbesondere bei nichtbinären-Personen, die bis vor Kurzem gar nicht bedacht wurden.

Gendern, denn Sprache prägt unsere Menschenbilder

Außerdem prägt und beeinflusst Sprache ja auch. Gerade vor einigen Tagen sagte ich zu meiner Tochter „Guck mal, da ist die Frau Doktor“ und wurde von meinem Mann im nächsten Augenblick darauf hingewiesen, dass die „Frau Doktor“ für viele immer noch die Frau von dem Onkel Doktor ist und nicht die studierte Medizinerin selbst. Der „Onkel Doktor“ hingegen ist in unserer Vorstellung ganz klar selbst der Typ mit Stethoskop und der Urkunde an der Wand. Da käme niemand auf die Idee, dass er den Titel einer glücklichen Hochzeit verdankt.

 Und da frage ich mich, welches Bild ich meiner Tochter mitgeben möchte. Üblicherweise ist der Arzt in unserer Sprache männlich, Lehrerin und Krankenschwester weiblich. Häufig sind vor allem Berufe in einem niedrigen Einkommenssegment, aus dem Bereich der Pflege oder der Erziehung mit weiblichen Bezeichnungen versehen. Wird damit nicht schon in frühester Kindheit eine Richtung vorgegeben? Sehen sich junge Mädchen dann als erfolgreiche Wissenschaftlerinnen und träumen Jungs davon, ein aufmerksam- liebevoller Krankenpfleger zu werden? Wahrscheinlich eher nicht. Deshalb finde ich, dass mit unserer Sprache auch Verantwortung verbunden ist und ich persönlich habe mir vorgenommen, mehr auf solche Stereotypen zu achten und sie nicht noch weiter zu füttern. Also zumindest bei Berufsbezeichnungen versuche ich die Paarungen zu nennen „Arzt & Ärztin“ oder eben auch „typisch männliche“ Berufe in der weiblichen Form. Zeit also für Ingenieurinnen, Apothekerinnen, Physikerinnen.

Gendersternchen, Doppelpunkt & Co

Doch wenn man sich entschieden hat zu gendern, steht man ja schon vor der nächsten Herausforderung: Wie mache ich das eigentlich richtig?

Für mich sind die verschiedenen Formen mittlerweile ein Dschungel an Möglichkeiten geworden und gefühlt nutzt es jeder unterschiedlich. Findest du das auch manchmal unübersichtlich? Hier sammel‘ ich einfach mal ein paar der gängigsten Formen, das macht’s vielleicht einfacher:

 

  • Gender-Sternchen *
  • Doppelpunkt (kurzer Lifehack: Hier habe ich letztens gelernt, dass der Doppelpunkt bei vertonten Texten einfach als Pause gesprochen wird, so wie natürlich gesprochen. Die Satzzeichen werden als Satzzeichen genannt. Danke für den Tipp, Anni 😉
  • die schon erwähnte Paartechnik, in der z.B. neben dem Abteilungsleiter im gleichen Atemzug auch die Abteilungsleiterin genutzt wird.
  • Alternativ wird der Abteilungsleiter einfach mittels „/“ zur Abteilungsleiter/in ergänzt.
  • Auch das „Adjektivieren“ funktioniert, indem man ein Nomen wie „Trainer“ mit „trainierender Tätigkeit“ ersetzt.
  • Geschlechtsneutrale Bezeichnungen wie „Personen, Leute, etc.“

Sprache prägt unsere Zukunft

Im Übrigen bewundere ich Menschen, die beim Sprechen automatisch gendern. Ich selbst vergesse das immer wieder und denke dann, wenn ich es bei anderen höre „Ach ja“. Und ich möchte mehr darauf achten, allerdings in einem natürlichen Maße. Ich möchte noch flüssig sprechen, ohne selbst immer wieder über ein -Innen zu stolpern. Stereotypische Berufsbezeichnungen und Tätigkeiten allerdings sollen zukünftig keine Chance mehr haben- als Vorbild für alle kleinen Jungs und Mädchen da draußen. Unsere heutige Sprache kann so zur  Realität von morgen werden!

 

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