„Montag morgen, 9.00 Uhr. Kommen Sie bitte in mein Büro für Ihr Mitarbeitergespräch. Viel Zeit hab ich aber nicht“. 

    Marie stockt der Atem, ihr Herz klopft wie wild. Heute ist schon Donnerstag. Wie soll sie es nur so schnell schaffen, sich auf das Gespräch richtig vorzubereiten? Sie sieht sich schon am Wochenende schlaflos im Bett wälzen. Es ist auch ihr erstes Mitarbeitergespräch und sie weiß gar nicht so richtig, was sie dort erwartet. 

    Ein Treffen mit ihrer Freundin muss her. Zum Glück hat sie während der Mittagspause Zeit und während sie auf ihr Essen warten, erzählt ihre Freundin von ihren Erfahrungen: 

    Wie finde ich den richtigen Zeitpunkt für mein Mitarbeitergespräch?

    „Auf gar keinen Fall am Montag morgen. Mein letztes Mitarbeitergespräch war auch da und es war total anstrengend, weil ständig jemand rein kam und ganz ganz dringend etwas von meinem Chef wollte. Außerdem habe ich gemerkt, dass er auf heißen Kohlen saß, weil sein E-Mail-Postfach rief. Und dieses Gefühl, dass das für mich so wichtige Gespräch so zwischen Tür und Angel stattgefunden hat, war auch nicht so prickelnd. Am Ende habe ich die Hälfte vergessen und ging mit Ärger im Bauch wieder an meinen Platz“. 

    Aus diesem Gespräch hat sich Marie einige Tipps mitgenommen: 

    • „Plan‘ das Gespräch mit ausreichend Vorlauf, um beiden Gesprächsparteien die Möglichkeit zu geben, sich richtig darauf vorzubereiten

    • Plane ausreichend Zeit ein. So ein Mitarbeitergespräch zwischen Tür und Angel zu führen, stresst. Stelle sicher, dass ausreichend Zeit für die wichtigen Themen ist.

    • Montagmorgen und Freitagnachmittag sind die ungünstigten Zeitpunkte für so ein Gespräch. Montags wartet der E-Mail-Posteingang und freitags ist man am Nachmittag bereits gedanklich im Wochenende. WENN man es sich aussuchen kann, sollte ein Termin innerhalb der Woche sein

    • Und auf die Jahreszeit kommt es an. Gerade im Jahresendgeschäft herrscht meistens viel Trubel, da noch letzte Projekte abgeschlossen werden. Beginne das neue Jahr mit deinem Gespräch als Auftakt und mit dem Ausblick auf das neue gemeinsame Geschäftsjahr“

    So richtig glücklich ist sie mit diesem Zeitpunkt nicht. Sie guckt in seinen Kalender „oh, am Dienstag um 15 Uhr ist ja noch ein Termin frei“. Da sie einen ganz guten Draht zu ihrem Chef hat, bittet sie ihn nach dem Mittagessen um diesen Termin. „Kein Problem“ antwortet er ihr. Vergnügt geht sie aus seinem Büro und flüstert zu sich selbst „Das war ja einfach- da hätte ich mir ja gar nicht so viele Platte machen müssen“. 

    Wenn eine Verschiebung nicht möglich ist, dann weiß sie jetzt auch, dass sie im Zweifelsfall ihre wichtigen Themen sammeln und um einen Folgetermin bitten sollte, wenn im Gespräch deutlich wird, dass die Zeit knapp ist. „Besser vertagt und ordentlich besprochen, als zwischengeschoben und schnell wieder vergessen“ sagte ihre Freundin noch, während sie sich den letzten Bissen ihres Maccaroni-Auflaufs in den Mund schob.  

    Tu‘ Gutes und sprich drüber

    Das A und O ist deine Leistung. Was hast du dem Unternehmen gebracht? Sicherlich hat dein Chef schon mitbekommen, was du so gemacht hat. Doch alles kann er gar nicht sehen, er sitzt ja schließlich nicht ständig neben dir. Zum Glück“ lachte ihre Freundin und bestellt noch einen Espresso gegen das Mittagstief. 

    Leitfragen für deine Leistungsbewertung

    Damit sie nichts vergisst, hat sie auch schon eine E-Mail mit möglichen Fragen auf ihrem Rechner, als sie sich nach dem Mittagessen mit ihrem Büro-Kaffee wieder auf ihren Stuhl fallen lässt: 

    • Welche Projekte hast du abgeschlossen? Welche Neuen bereits erfolgreich angestoßen?

    • Was hast du etwas Neues für die Firma entwickelt?

    • Wo hast du vielleicht sogar Geld für die Firma gespart?

    • Wo hast du Verantwortung übernommen?

    • Hast du Mitarbeiter oder Kollegen disziplinarisch oder fachlich geführt?

    • Hast sie z.B. Publikationen für die Firma veröffentlicht?

    • Was hast du gelernt?

    Bescheidenheit ist hier nicht angesagt. „Tu‘ Gutes und sprich drüber“ ist die Maxime. 

    Uppps…auch Fehlschläge passieren

    Da sie sich selbst nicht ganz sicher ist, fragt sie auch noch einmal eine Kollegin, ob sie sich noch an etwas erinnert. Und tatsächlich gab es da noch ein weiteres Projekt am Anfang des Jahres. 

    „Und denk auch an das März-Projekt. Das lief ja leider nicht so ganz rund“. Mist, dass hatte sie total vergessen. Gedankenverloren dreht sie ihre Tasse in der Hand. Am liebsten würde sie dieses Projekt unter den Tisch fallen lassen. Besonders mit Ruhm bekleckert hat sie sich da ja nicht. „Hey, mach dir nichts draus“. Die Kollegin zwinkert ihr zu und grinst. „Das ist mies gelaufen, keine Frage. Aber das passiert den besten. Also Schultern zurück und Rücken grade, Angriff ist die beste Verteidigung. Und wenn das Gespräch darauf kommt, dann sag von dir aus, dass du damit auch nicht zufrieden warst und vor allem, was du daraus gelernt hast“. Puh, so richtig begeistert ist Marie davon nicht. Aber duckmäuserisch in Schreckstarre zu verharren oder sich unter dem Tisch zu verstecken, ist ja leider keine Option. Also, Augen zu und durch. 

    Jetzt hat sie alle Informationen zusammen, die sie braucht und kann beruhigt ins Wochenende starten. 

    Fühl dich wie eine Superheldin

    Dienstag morgen, der Januartag startet neblig und trüb. Und genauso ist auch ihre Stimmung heute. Sie ist schon ziemlich aufgeregt und angespannt. Andreas, ihr Lieblingskollege, trifft sie am Kopierer und fragt sie, welche Laus ihr denn über die Leber gelaufen ist. Und Andreas, der sonst immer so sicher und selbstbewusst wirkt, verrät ihr ein Geheimnis:“ Weißt du, ich bin vor solchen Gesprächen auch immer ziemlich aufgregt. Ich hab da einen Geheimtipp: Wenn mich keiner sieht, dann mache ich ein paar Atemübungen und versuche, mich zu konzentrieren. Und dann stelle ich mich in die Superman-Pose“ – „In die Superman-Pose“? – „Ja genau. Das klingt total albern, hilft aber total. Einfach grader Rücken, Arme gestreckt und wie ein Superheld fühlen“. Fake it till you make it“. Vor lauter Lachen über dieses Bild im Kopf verschüttet Marie fast ihr Wasser über dem Drucker.

    Ihr beide wollt etwas voneinander

    „Und außerdem“, so Andreas weiter, will dir dein Chef doch auch nichts Böses. Also sieh doch das Mitarbeitergespräch auch als Chance, um dich weiter zu entwickeln und über deine Perspektive im Unternehmen zu sprechen. Und vielleicht auch über eine Weiterbildung“. Und während er das sagt, kämpft sich die Sonne plötzlich durch die graue Wolkendecke. Auf einmal ist es Marie auch nicht mehr so mulmig im Bauch. Stimmt, so hatte sie das noch gar nicht gesehen. Und sie ist ja auch gut vorbereitet, indem sie sich auch Gedanken über ihre Weiterentwicklung und ihren Gehaltswunsch gemacht hat. Doch dazu mehr in einer anderen Geschichte. 

    „Es wird schon nicht so schlimm werden“ murmelt Marie zu sich und mit dem Bild vom Superhelden-Andreas im Kopf verlässt sie schmunzelt den Druckerraum, schon einmal heimlich die Superhelden-Pose übend, kann das Gespräch ja jetzt kommen…

    Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Hier mehr Datenschutz und Impressum Weitere Informationen

    Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

    Schließen