Hepeating: Wenn der Kollege für deine Ideen gefeiert wird

    Hepeating: Wenn der Kollege für deine Ideen gefeiert wird

     

    Du hast eine bahnbrechende Idee im Meeting. Die Lösung für das Problem.

     Jetzt nimmst du all deinen Mut zusammen….atmest noch einmal tief durch…und bringt deine Idee. Man müsste zur Lösung des Problems XY machen. Und guckst in die Runde, um die Kollegen abzuholen und zu begeistern.Und dann…nichts! Kein tosender Applaus…keine Diskussion. Es ist, als ob du gar nichts gesagt hättest.

     Plötzlich, ein paar Minuten später: Dein Kollege bringt genau die gleiche Idee…und alle sind begeistert. Tosender Applaus und Schulterklopfen.

    Was dir hier passiert ist, nennt sich „Hepeating“. Der Begriff setzt sich zusammen aus “ He“ und „Repeating“. Ein Kollege wiederholt das, was du gesagt hast. Und wird dafür gefeiert. Und mit diesem Phänomenen bist du nicht allein: Allein 70.000 Tweets lassen sich unter #Hepeating finden.

    Warum „hepeatet“ der Kollege?

     Entweder ist der Kollege tatsächlich fies und heimst die Lorbeeren für deine Idee ein, weil er erkannt hat, dass es eine wirklich gute Idee ist und er hat wahrgenommen, dass du nicht gehört wurdest. Auch das gibt es natürlich.

    Oder aber er hat selbst nicht aktiv mitbekommen, dass du etwas gesagt hast, da es zu leise oder nur so nebenbei war. Sein Unterbewusstsein aber hat das registriert und schickt ihm jetzt diesen Impuls. Und weil er es nicht besser weiß – er hat ja schließlich nicht aktiv gehört, dass du etwas gesagt hast – denkt er, es sei seine Idee und bringt sie mit Überzeugung ein:“ Wir werden zur Lösung des Problems XY machen“. Dabei lässt er den Chef nicht aus den Augen. Und ist begeistert von seiner eigenen Idee. 

     

    Was macht das Hepeating mit dir?

     Die typische Reaktion ist meist ein empörtes „Aber das habe ich doch gerade gesagt“. Danach Sprachlosigkeit oder du bist eingeschnappt, fühlst dich ausgebootet, und sagst deshalb jetzt nichts mehr. Höchstwahrscheinlich jedoch wird dich das als zickig dastehen lassen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Stimme in solchen Momenten eine Oktave höher geht. Souverän ist das dann nicht mehr. Und ein Spielpartner auf Augenhöhe ist man damit auch nicht mehr. Damit spielst du in den Augen der Jungs nicht mehr mit- und eigentlich willst du selbst ja auch gar nicht mehr mitspielen.

     

    Gestalte das Spiel nach deinen Regeln 

     Welche Möglichkeiten hast du jetzt in diesem Moment- und in späteren Situationen, um so etwas zu vermeiden? Wenn du die Spielregeln kennst, kannst du das Spiel auch richtig mitspielen und für dich gestalten. Dein Ziel ist es ja, deine Idee zu vermitteln und am besten damit zu überzeugen. Gleichzeitig möchtest du selbst souverän rüberkommen und mit deinen Beiträgen einen Fußabdruck hinterlassen. Was also kannst du in solchen Momenten während des Meetings tun?

    1. Du kannst das Wort ergreifen und ruhig und gefasst dem Kollegen danken, dass er dein Argument noch einmal aufgreift, also zum Beispiel ganz konkret „Danke Herr Meier, dass Sie noch einmal auf meine Idee zurück kommen. Das möchte ich an der Stelle noch einmal weiter ausführen. Damit hast du deinen Kollegen nicht bloß gestellt, aber deutlich gemacht, dass du die Urheberrin der Idee bist. Und dein Ansehen steigt, denn wer zitiert wird, hat etwas zu sagen

    2. Ein Tipp, den mir mal ein Mann gegeben hat, der allerdings deinen Kollegen im Regen stehen lässt: In mittellauter Lautstärke deinen Sitznachbarn mit überraschter Stimme fragen, so dass es auch andere hören „Habe ich das nicht gerade gesagt?!“ Das kann auch funktionieren. Dann hast du in dem Moment die Aufmerksamkeit, solltest dann aber auch etwas daraus machen, d.h. deine Idee konkret ausführen, sonst verpufft sie.

    Und was kannst du in Zukunft anders machen, um solche Situationen zu vermeiden?

     

    Die Kommunikation und Wortwahl

     Frauen kommunizieren häufig im Konjunktiv. Man könnte ja mal…Das ist für Männer noch keine konkrete Idee, sondern nur mal so in die Tüte gesprochen. Wenn du eine Idee hast, dann formuliere sie klar und eindeutig und aktiv. Bringe direkt rüber, wie du sie umsetzen wirst

    Männer kommunizieren zudem hierarchisch. Frauen sind beziehungsorientiert und versuchen, alle in’s Boot zu holen. Deshalb spricht eine Frau klassischerweise in die Runde. Und keiner fühlt sich direkt angesprochen. Männer hingegen suchen die Aufmerksamkeit des Leitwolfs. Wenn sie dessen Aufmerkmsamkeit haben, erkennen die anderen „Oh, das ist wichtig, da sollten wir zuhören. Also, auch wenn es schwer ist, sprich den Entscheidungsträger direkt an. Männer ticken da auch anders. Wo sich Frauen dann vielleicht ausgegrenzt fühlen würden, ist das für Männer ganz normal.

    Übernimm die Führung

     Während noch wild und ohne Struktur darüber diskutiert wird, welche Methode oder welches Vorgehen z.B. die richtige ist, kannst du das Ruder in die Hand nehmen und die Diskussion noch einmal zusammen fassen und strukturieren…und dann direkt mit deiner Idee nachsetzen. Wenn du dich traust, kannst du auch aufstehen und die bisherigen Ergebnisse am Flipchart visualisieren. Wenn du stehst, hast du automatisch die Aufmerksamkeit

     

    Bilde vorher Allianzen

    Wenn du weißt, um welches Thema es in dem Meeting geht, dann bilde vorab schon Netzwerke und such dir Unterstützer. Das ist bei Männern ein ganz übliches Vorgehen. Zum Beispiel in Flurgesprächen oder in informellen Meetings erklärst du schon einmal Einzelpersonen oder einer kleinen Runde eine Idee. Damit ist bei denen schon einmal verankert, dass es deine Idee ist. Und du hast Unterstützer, die im Meeting ggf. sagen könnten „Hey, das war aber die Idee unserer Kollegin“.

    Bringe Methoden ein, die alle zu Wort kommen lassen

    Häufig sind es in einem Meeting immer die gleichen Personen, die einen hohen Redeanteil haben und laut sind. Und die ruhigeren Menschen- ob Frau oder Mann- kommen nicht zu Wort, obwohl sie großartige Ideen in sich tragen.

    Warum also nicht mal Formate etablieren, die genau dafür sorgen, dass alle Ideen gehört werden. Da gibt es ja mittlerweile ganz viele Kreativmethoden, die genau das erkannt haben und dem Rechnung tragen. Dazu gehört z.B. das Brainstorming oder Design Thinking, oder etwas spielerisches wie Lego Serious Play. Oder die Liberating Structures, die auch eine Methodensammlung sind, mit verschiedenen Structures, die man einsetzen kann, um alle einzubinden. Da gibt es zum Beispiel die 1-2-4-all. Dabei macht sich jeder erst einmal selbst Gedanken, anschließend werden die zu zweit diskutiert, dann zu viert und als Gruppe einigt man sich dann darauf, welche Ideen unbedingt der Gesamtmannschaft vorgestellt werden sollten. Damit bist du zumindest im kleinen Kreis als Urheberin deiner Idee bekannt.

     Probier das doch einfach alles mal aus.

    Und vor allem, lass dich nicht in’s Boxhorn jagen. Frust hilft nicht. Und vor allem, nimm das nicht persönlich. Das ist einfach das Spiel. Und jetzt weißt du, wie dieses Spiel läuft, und kannst deinen Zug entsprechend planen 😉

     Bildrechte:

    © thodonal über www.stock.adobe.de

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Geschlechterkampf oder gemeinsame Ziele?

    Geschlechterkampf oder gemeinsame Ziele?

     

    Heute möchte ich euch gern einmal auf einen Perspektivwechsel mitnehmen und ein Thema mit Diskussionspotenzial besprechen. 

    In meinen letzten Texten stand die Positionierung von Frauen in Gehaltsverhandlungen im Fokus, denn es ist mein Ziel, Frauen zu stärken. Allerdings soll es dabei in keinem Fall GEGEN Männer gehen. Im Gegenteil. Weniger ist es das Ziel, Männer niederzumachen, sondern vielmehr Frauen so zu unterstützen, so dass sie selbst auf Augenhöhe kommen. Aus meiner Sicht funktioniert das am Besten, indem die Frauen selbst ihre Stimme finden und für sich und ihre Bedürfnisse und das, was sie verdienen (an Wertschätzung und Geld) einstehen. 

     

    Ist ein Geschlechterkampf notwendig?

    Allerdings nehme ich bei manchen Frauen, die sich für die Rechte von Frauen einsetzen, eine immense Wut und Aggression, Verschwörungstheorien und beinahe schon einen Hass auf Männer wahr. Und entsprechend treten sie dann auf. Statt das Gespräch zu suchen, hagelt es Vorwürfe, die Faust ist kampfbereit geballt, das Gesicht wutentbrannt verzerrt. Und jetzt mal ehrlich, Mädels: Bringt uns das irgendwie weiter? Wenn ich die Reaktion des Umfelds auf dieses Verhalten beobachte, würde ich sagen: Nein!

    Denn was passiert? Statt Verbindungen werden Feindschaften geschaffen. Und man begibt sich dadurch direkt auf den beliebtesten Ort vieler Männer: Das Spielfeld. Das Kampfverhalten ist geweckt, der so angegriffene Mann wird sich verteidigen. Oder sie cool abblitzen bzw. am langen Arm verhungern lassen. Da Männer das Netzwerken meist ganz gut verstehen, scharren sie ihre Allianz um sich und formieren sich. Ruckzuck ist die aggressive Frau ausgeschlossen oder im schlimmsten Fall zerstört. Und inwieweit ist damit der Sache gedient? Höchstwahrscheinlich ist ihr Antrieb das Erreichen der Gleichberechtigung der Frau. Wurde dabei über dieses Thema gesprochen? Wahrscheinlich nicht. Was ist hängen geblieben bei den Beteiligten (im Unternehmen, in der Politik, im privaten Umfeld,…)? Die zickige Emanze probt den Aufstand, die kann man ja nicht Ernst nehmen. 

    Und auch nur wenige Frauen werden sich dem aggressiven Aufstand anschließen. Vielmehr fragen sie sich, wann sie vielleicht das nächste Ziel eines Angriffs werden und weichen der Cobra aus, um nicht selbst gebissen zu werden. 

     

    Also weiterhin lieb und brav statt für-sich-einstehen?

    Auf keinen Fall! Dafür gibt es ja die Grauzonen. Natürlich kann man sagen, dass die Frauenwahlrechte auch nicht durch ein nettes „Bitte Bitte“ eingeführt wurden. Manchmal geht es nur so deutlich. Aber wollen wir immer kämpfen? Und nehmen wir uns damit nicht auch viel Handlungsspielraum? Denn was passiert beim Kampf, wenn wir aggressiv und voller Adrenalin sind: Unser Blutdruck steigt, Blick und Fokus verengen sich, unsere Körpertemperatur steigt, der Kopf wird hitzig und die Atemfrequenz erhöht sich. Ist da noch ein wohlüberlegter Diskurs mit kühlem Kopf möglich? Und sind es nicht eigentlich die weiblichen Stärken, dass wir häufig viel Empathie mitbringen und dadurch ein Meeting positiv beeinflussen, indem wir schwelende Konflikte ansprechen und deeskalieren, ohne das sie irgendwann explodieren? Ist es nicht genau unser Fokus und das Interesse an der Sache, die verhindert, dass ein Meeting in eine endlose Macht- und Methodendiskussion abdriftet?! Und wollen wir uns selbst durch die Aggression unsere Handlungsfähigkeit nehmen? Wohl eher nicht. 

    Es darf natürlich auch mal auf den Tisch gehauen werden. Oder lauter werden. Und unsere Forderungen sollen immer wieder wiederholt werden, bis sie uns selbst bald aus den Ohren kommen. Dann werden sie auch wahrgenommen. Und dabei verlangt niemand, dass Frauen das stille Pflänzchen in der Ecke sind. Im Gegenteil! Es geht jedoch vor allem um die Haltung. Wie möchte ich auftreten? Und möchte ich mich von meinen Emotionen leiten lassen oder leite ich meine Emotionen, nutze ich sie zum Mehrwert des Meetings?!

     

    Gemeinsam statt Miteinander 

    Und vor allem: Baut Brücken, keine Gräben! Wenn wir unser Ziel erreichen und auf Augenhöhe mitspielen möchten, sollten wir uns nicht vorher schon selbst disqualifizieren. Und dazu gehört es vor allem, viele Gespräche zu führen, auch außerhalb der offiziellen Sitzungen und Meetingrunden und für ein gemeinsames Ziel begeistern, um Wege dorthin zu finden. Man kann dagegen wettern, dass es zu wenig Frauen in der Führung und in der Politik gibt. Missstände aufzeigen: Ja. Dies nicht als gegeben akzeptieren: Auf jeden Fall. Gegen die bösen Männer wettern, die uns nicht mitspielen lassen? Nein!

    Stattdessen selbst dafür sorgen, dass sich etwas ändert. Ob es dafür eine Quote braucht, da habe ich für mich persönlich noch keine abschließende Antwort gefunden. Ob Frauen dann tatsächlich mitspielen oder ihre Position nur eine Makulatur ist, um die Quote zu erfüllen? Wo ich mir aber sicher bin, ist, dass wir frühzeitig damit beginnen müssen, starke Frauen aufzubauen. Schon in der Schule oder im Studium oder später über ein Mentorin, Trainings oder Programme. Und starke Netzwerke, in denen wir uns gegenseitig weiterbringen. 

    Und bei aller Frauenförderung in unseren Kreisen: Sprecht auch mit den Männern, bildet Kooperationen statt Feindschaften. Macht aus dem Geschlechterkampf das Erreichen gemeinsamer Ziele. Dann werden wir auch als Gesprächspartner auf Augenhöhe gesehen. Und das ist es doch, was wir letztendlich wollen!

    Du möchtest auch gern einmal an einem solchen Training teilnehmen? Dann buch dein Ticket hier. Ich freu mich auf dich!

    Bildrechte:

    © Drobot Dean über www.stcok.adobe.de

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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