– Gehaltsverhandlungen richtig vorbereiten-

    Riiiing riiiiing….Maries Freundin ist am Telefon und lacht fröhlich „N’abend. Naaaa schon aufgeregt wegen deines Gesprächs morgen?“

    Marie hatte es sich gerade mit einer Tasse Ingwertee gemütlich gemacht, um sich noch ein bisschen zu entspannen vor dem großen Tag morgen. „Naja, ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Aber ich freue mich auch darauf. Wann hat man den Chef schon mal ganz für sich, um mal über die eigene Entwicklung zu sprechen?!“, sagte sie und nahm einen großen Schluck aus ihrer bauchigen Tasse. Ganz schön kalt und neblig dieser Abend im Januar. 

    „Ja genau, da hast du total Recht. Und du bist gut vorbereitet. Deine Highlights des letzten Jahres hast du dir ja schon aufgeschrieben und du weißt auch, wie du mit dem versenkten Projekt aus dem letzten April umgehen willst. Du hast ja daraus viel gelernt. Damit hast du ja die besten Argumente für deine Gehaltserhöhung. Was willst du denn jetzt eigentlich verdienen?“

    Marie verschluckte sich an ihrem heißem Tee und musste husten „Warum? Ich dachte, mein Chef macht mir einen Vorschlag“. 

    Wer fragt, der führt

    Ihre Freundin musste wieder lachen. „Jaja, wenn du Glück hast, dann macht er das. Aber wenn ich als Chefin die Gespräche mit meinen Mitarbeitern führe, lasse ich sie auch erst einmal kommen. Und ich bin fair, deshalb spreche ich das Thema Gehalt irgendwann selbst an, wenn die Mitarbeiter stumm bleiben. Aber theoretisch…wer nicht fragt, möchte ja auch vielleicht gar nicht mehr“. 

    „Oh, also muss ich damit starten?“ 

    „Wenn dein Chef nichts sagt, dann ja.“

    „Und welche Summe soll ich da sagen?“

    Welches Gehalt ist angemessen?

    „Hmmm, so pauschal kann ich dir da keine Summe nennen. Deine Gehaltserhöhung hängt von den folgenden Punkten ab: 

    • Dein Ausgangsgehalt. Bist du niedrig gestartet? Dann versuche nun einen größeren Sprung zu machen. Bist du beim Einstieg runtergehandelt worden? Schließe diese Lücke nun bis zu deinem Wunschgehalt. Generell solltest du immer darauf achten, beim Einstieg möglichst hoch einzusteigen. Später wird es umso schwieriger, ein bisschen höher zu kommen. Allerdings ist dann immer auch noch ein bisschen Spielraum. Nutze ihn jetzt!
    • Wann und wie hoch war deine letzte Erhöhung?
    • Dein jetziges Gehalt und wie es sich zusammen setzt: Gibt es einen variablen Anteil und ist der auch realistischerweise zu erreichen oder hast du da in den letzten Jahren eher in die Röhre geguckt. Wenn ja, dann sprich das an und ihr überlegt gemeinsam, ob ein Teil des variablen Anteils in ein Fixum gewandelt wird. Oder wie die Umstände geändert werden können, so dass du die 100 % erreichst
    • Informiere dich über dein branchenübliches Gehalt. Vergleichsportale wie Glassdoor und Kununu geben Richtwerte für viele Branchen und Erfahrungsklassen
    • Wenn du einen guten Draht zu Kollegen hast, kannst du auch mal versuchen, etwas über das Gehaltsgefüge im Unternehmen zu erfahren. Und auch wenn in deinem Vertrag steht, dass du das nicht darfst…trau dich ruhig. Arbeitsgerichte haben diese Klausel gestrichen, denn sonst hättest du vielleicht gar keine Chance auf eine faire Bezahlung. 
    • Die Gehaltserhöhung sollte mindestens die Inflation ausgleichen. Mit >2 % machst du nichts verkehrt. Und meiner Erfahrung nach liegen die meisten Gehaltssteigerungen so bei max. 6-7 %. Alles in Richtung 10 % erreicht man eher bei einem Jobwechsel“. 

    schloss ihre Freundin ihre Ausführung. 

    Auf die Fairness kommt es an

    „Und mach‘ nicht den Fehler, den ich am Anfang gemacht habe. Ich habe mich total runterhandeln lassen beim Einstieg und relativ schnell gemerkt, dass ich zu wenig verdiene und den variablen Anteil meines Gehalts gar nicht erreichen kann. Da hab‘ ich mich total über den Tisch gezogen gefühlt, war frustriert und bin mit einem Knoten im Bauch zur Arbeit gegangen.  Außerdem hatte ich das Gefühl, dass meine männlichen Ingenieur-Kollegen viel mehr verdienen“. 

    „War da nicht auch der Fall mit deiner Kollegin, die da gerichtlich gegen vorgegangen ist?“ erinnerte sich Marie. 

    „Ja genau“, stimmte ihre Freundin ihr nachdenklich zu. „Sie hatte das Gefühl, dass sie diskriminiert wird und hat deshalb eine Offenlegung der Gehaltsstrukturen gefordert. Dank des Entgelttransparenzgesetz geht das ja jetzt. Allerdings nur bei Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern, um die Anonymität zu wahren. Bei Diskriminierung verstehen Gerichte auch echt keinen Spaß. Oder man fragt seinen Betriebsrat, soweit es einen gibt, wenn man das Gefühl hat, dass man aufgrund seines Geschlechts diskriminiert wird. 

    Aber von so etwas wollen wir ja jetzt erst einmal gar nicht ausgehen. 

    Wie willst du denn in die Gehaltsverhandlung einleiten?“

     

    Übung macht den Meister – auch beim Gehalt-

    „Gute Frage, ich grübele schon die ganze Zeit über einen spritzigen Einstieg“ antwortete Marie. Hast du da nicht eine gute Formulierung für mich?“

    „Am besten übt man das „live“. Marie hörte ihre Freundin im Hintergrund kramen und ihren Schlüssel klimpern. „Pass auf, ich bin in 10 Minuten da und dann üben wir das“. 

    Und pünktlich wie die Maurer steht ihre Freundin zehn Minuten später vor ihrer Tür, eine Flasche ihres Lieblingsrotweins in der Hand. „Für die Motivation“ lacht sie und schiebt sich an Marie vorbei in die Wohnung. 

    Auf dem Sofa angekommen, guckt sie Marie erwartungsfroh an. „Leg los“. 

    „Einen Punkt habe ich noch auf der Agenda. Ich möchte noch über mein Gehalt sprechen“

    Cool bleiben in der Gehaltsverhandlung

    „Sehr gut. Das Gespräch ist klar struktiert und du spricht aktiv, ohne Konjunktiv. Sehr gut“ nickt Maries Freundin anerkennend. 

                                       „…..äääähhhhjaaaaa…..also…..ääähm…..vielleicht…..hihi“

    „Stopp. Deinen souveränen Eindruck von eben machst du damit Zunichte. Versuche dich nicht zu verhaspeln. Und Frauen neigen dazu, in solchen Momenten aus Nervosität anzufangen zu kichern. Das würde kein Mann tun. Also sag klar und mit neutralem Gesichtsausdruck deinen Gehaltswunsch“

    „Ja aber wie viel mehr kann ich denn fordern, ohne dass es unverschämt wirkt?“

    „Trau dich und hau doch einfach mal einen raus. Diesen Tipp hab ich mal von einem männlichen Berater bekommen. Und dann wirst du schon sehen, was dein Chef sagt. Auch wenn es uns schwer fällt, hier geht es nicht um Harmonie und um deinen Glaubenssatz „sei lieb. Den solltest du dir vielleicht vorher noch einmal ansehen“. Sie hat so viel geredet, jetzt braucht sie erst einmal einen Schluck Wein. Doch ganz fertig war sie noch nicht: 

    „Und denk dran: Männer spielen auch gern und zu verhandeln macht ihnen Spaß. Also gönn‘ ihnen diesen Spaß und begebe dich auf Augenhöhe, indem du dich als ebenbürtiger Spielpartner zeigst“. Dabei wirft ihre Freundin einen imaginären Würfel, bevor sie sich zufrieden zurück auf das Sofa fallen lässt.

    „Puh, ganz schön viel zu merken. Hoffentlich denke ich an das alles“ schnauft Marie.

    „Deshalb ist es ja gut, so etwas vorher schon einmal zu üben. Dann fällt es dir im Gespräch später umso leichter“

     

    Hilfreiche Anker setzen

    „Ok, also gehen wir mal davon aus, dass ich jetzt 50.000 verdiene und gern 52.000 € verdienen möchte. Dann schlage ich doch zum Beispiel 54.000 € vor, damit mein Chef ein bisschen verhandeln kann, richtig…?“

    „Ja grundsätzlich richtig. Nur viel zu wenig. Hau eine 59.000 € raus. Das ist unter der magischen Grenze des nächsten Zahlenwechsels und gleichzeitig deutlich höher. Damit steigt deine Chance, dass du auch das bekommst, was du möchtest. Oder mehr“. 

                                       Marie nickt. 

    „Und wusstest du, dass das Gehirn mit dem Ankereffekt arbeitet? Das heißt, dass es sich Zahlen merkt, die es zuvor gehört hat und diese in Verbindung setzt mit den jetzt gehörten Zahlen. Dabei müssen die Zahlen vorher gar nichts mit deinem Gehalt zu tun haben. Also wenn es passt, dann sprich zum Beispiel lieber von den „1000 Sachen“, die du gelernt hast im letzten Jahr als von den „3-4 neuen Dingen“. An diesen Zahlen wird sich das Gehirn dann vielleicht orientieren und weniger schlucken bei einer höheren Gehaltssteigerung“

    „Ha, spannend. Also warum sich das Gehirn nicht mal zum Freund machen“ zwinkert Marie. 

    „Und wenn ich meinen Gehaltswunsch geäußert habe, was mache ich dann?“

    „Dann bist du ruhig, hältst die Pause aus und lässt deinen Chef reagieren“

    „Und wenn es nicht rund läuft?“

    to be continuided…

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