Heute möchte ich euch gern einmal auf einen Perspektivwechsel mitnehmen und ein Thema mit Diskussionspotenzial besprechen. 

    In meinen letzten Texten stand die Positionierung von Frauen in Gehaltsverhandlungen im Fokus, denn es ist mein Ziel, Frauen zu stärken. Allerdings soll es dabei in keinem Fall GEGEN Männer gehen. Im Gegenteil. Weniger ist es das Ziel, Männer niederzumachen, sondern vielmehr Frauen so zu unterstützen, so dass sie selbst auf Augenhöhe kommen. Aus meiner Sicht funktioniert das am Besten, indem die Frauen selbst ihre Stimme finden und für sich und ihre Bedürfnisse und das, was sie verdienen (an Wertschätzung und Geld) einstehen. 

     

    Ist ein Geschlechterkampf notwendig?

    Allerdings nehme ich bei manchen Frauen, die sich für die Rechte von Frauen einsetzen, eine immense Wut und Aggression, Verschwörungstheorien und beinahe schon einen Hass auf Männer wahr. Und entsprechend treten sie dann auf. Statt das Gespräch zu suchen, hagelt es Vorwürfe, die Faust ist kampfbereit geballt, das Gesicht wutentbrannt verzerrt. Und jetzt mal ehrlich, Mädels: Bringt uns das irgendwie weiter? Wenn ich die Reaktion des Umfelds auf dieses Verhalten beobachte, würde ich sagen: Nein!

    Denn was passiert? Statt Verbindungen werden Feindschaften geschaffen. Und man begibt sich dadurch direkt auf den beliebtesten Ort vieler Männer: Das Spielfeld. Das Kampfverhalten ist geweckt, der so angegriffene Mann wird sich verteidigen. Oder sie cool abblitzen bzw. am langen Arm verhungern lassen. Da Männer das Netzwerken meist ganz gut verstehen, scharren sie ihre Allianz um sich und formieren sich. Ruckzuck ist die aggressive Frau ausgeschlossen oder im schlimmsten Fall zerstört. Und inwieweit ist damit der Sache gedient? Höchstwahrscheinlich ist ihr Antrieb das Erreichen der Gleichberechtigung der Frau. Wurde dabei über dieses Thema gesprochen? Wahrscheinlich nicht. Was ist hängen geblieben bei den Beteiligten (im Unternehmen, in der Politik, im privaten Umfeld,…)? Die zickige Emanze probt den Aufstand, die kann man ja nicht Ernst nehmen. 

    Und auch nur wenige Frauen werden sich dem aggressiven Aufstand anschließen. Vielmehr fragen sie sich, wann sie vielleicht das nächste Ziel eines Angriffs werden und weichen der Cobra aus, um nicht selbst gebissen zu werden. 

     

    Also weiterhin lieb und brav statt für-sich-einstehen?

    Auf keinen Fall! Dafür gibt es ja die Grauzonen. Natürlich kann man sagen, dass die Frauenwahlrechte auch nicht durch ein nettes „Bitte Bitte“ eingeführt wurden. Manchmal geht es nur so deutlich. Aber wollen wir immer kämpfen? Und nehmen wir uns damit nicht auch viel Handlungsspielraum? Denn was passiert beim Kampf, wenn wir aggressiv und voller Adrenalin sind: Unser Blutdruck steigt, Blick und Fokus verengen sich, unsere Körpertemperatur steigt, der Kopf wird hitzig und die Atemfrequenz erhöht sich. Ist da noch ein wohlüberlegter Diskurs mit kühlem Kopf möglich? Und sind es nicht eigentlich die weiblichen Stärken, dass wir häufig viel Empathie mitbringen und dadurch ein Meeting positiv beeinflussen, indem wir schwelende Konflikte ansprechen und deeskalieren, ohne das sie irgendwann explodieren? Ist es nicht genau unser Fokus und das Interesse an der Sache, die verhindert, dass ein Meeting in eine endlose Macht- und Methodendiskussion abdriftet?! Und wollen wir uns selbst durch die Aggression unsere Handlungsfähigkeit nehmen? Wohl eher nicht. 

    Es darf natürlich auch mal auf den Tisch gehauen werden. Oder lauter werden. Und unsere Forderungen sollen immer wieder wiederholt werden, bis sie uns selbst bald aus den Ohren kommen. Dann werden sie auch wahrgenommen. Und dabei verlangt niemand, dass Frauen das stille Pflänzchen in der Ecke sind. Im Gegenteil! Es geht jedoch vor allem um die Haltung. Wie möchte ich auftreten? Und möchte ich mich von meinen Emotionen leiten lassen oder leite ich meine Emotionen, nutze ich sie zum Mehrwert des Meetings?!

     

    Gemeinsam statt Miteinander 

    Und vor allem: Baut Brücken, keine Gräben! Wenn wir unser Ziel erreichen und auf Augenhöhe mitspielen möchten, sollten wir uns nicht vorher schon selbst disqualifizieren. Und dazu gehört es vor allem, viele Gespräche zu führen, auch außerhalb der offiziellen Sitzungen und Meetingrunden und für ein gemeinsames Ziel begeistern, um Wege dorthin zu finden. Man kann dagegen wettern, dass es zu wenig Frauen in der Führung und in der Politik gibt. Missstände aufzeigen: Ja. Dies nicht als gegeben akzeptieren: Auf jeden Fall. Gegen die bösen Männer wettern, die uns nicht mitspielen lassen? Nein!

    Stattdessen selbst dafür sorgen, dass sich etwas ändert. Ob es dafür eine Quote braucht, da habe ich für mich persönlich noch keine abschließende Antwort gefunden. Ob Frauen dann tatsächlich mitspielen oder ihre Position nur eine Makulatur ist, um die Quote zu erfüllen? Wo ich mir aber sicher bin, ist, dass wir frühzeitig damit beginnen müssen, starke Frauen aufzubauen. Schon in der Schule oder im Studium oder später über ein Mentorin, Trainings oder Programme. Und starke Netzwerke, in denen wir uns gegenseitig weiterbringen. 

    Und bei aller Frauenförderung in unseren Kreisen: Sprecht auch mit den Männern, bildet Kooperationen statt Feindschaften. Macht aus dem Geschlechterkampf das Erreichen gemeinsamer Ziele. Dann werden wir auch als Gesprächspartner auf Augenhöhe gesehen. Und das ist es doch, was wir letztendlich wollen!

    Du möchtest auch gern einmal an einem solchen Training teilnehmen? Dann buch dein Ticket hier. Ich freu mich auf dich!

    Bildrechte:

    © Drobot Dean über www.stcok.adobe.de

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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